Buhrufe für die Kanzlerin: "Wir lassen uns nicht verkohlen"

svz.de von
29. Februar 2008, 09:24 Uhr

Stralsund „Däne go home!“ und „Wir lassen uns nicht verkohlen!“ Mit Plakataufschriften wie diesen haben mehr als 200 Gegner des in Lubmin geplanten Steinkohlekraftwerks gestern in Stralsund den Verzicht auf das Zwei-Milliarden-Euro-Projekt gefordert.

Das Vorhaben sei „ein Wahnsinn“, sagte der Chef der Landtagsfraktion der Linken, Wolfgang Methling. Mecklenburg-Vorpommern falle mit dem Kraftwerk „in Urzeiten der CO2-Emissionen“ zurück. Die grüne Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn kritisierte die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung. „In Heiligendamm hat Angela Merkel die Mutter Courage des Klimaschutzes gespielt, und jetzt sagt sie Ja zu Kohlekraftwerken“, erklärte die frühere Umweltministerin von Nordrhein-Westfalen.
Der Zeitpunkt und Ort für die Demonstration waren nicht zufällig gewählt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reiste zur Wiedereröffnung des Stralsunder Theaters an.

Die Kraftwerksgegner wollten den Besuch nutzen, um der Kanzlerin eine Petition zu überreichen. Darin forderten sie die umgehende Aussetzung des Genehmigungsverfahrens für das 1600-Megawatt-Kraftwerk des dänischen Energiekonzerns Dong Energy. Merkel hat sich mehrfach für den Bau der Anlage ausgesprochen.

Die Kanzlerin winkte bei ihrer Ankunft in der Hansestadt nur kurz und ging nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Harald Lastovka (CDU) direkt ins Theater. Die Demonstranten begleiteten sie mit Pfiffen und Buhrufen.

Dong Energy will das Kohlekraftwerk bis 2012 am früheren Standort des Kernkraftwerkes Lubmin errichten. Das Kraftwerk ist wegen der Kohlendioxid-Emissionen von bis zu zehn Millionen Tonnen pro Jahr, der Einleitung von Kühlwasser in den Bodden sowie der befürchteten Auswirkungen auf den Rügen-Tourismus umstritten. Die SPD fordert eine Halbierung der Kraftwerksleistung. Auch innerhalb des Landestourismusverbandes sorgt das Projekt für Streit.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen