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17. August 2017 | 11:52 Uhr

Brutaler und immer härter

vom

Lars-Oliver Lück, Diplom-Sozialpädagoge und Therapeut für provokative Psychotherapie, sprach mit Katharina Roese über junge Gewalttäter.

Wie erklären Sie sich die Zunahme der Fälle in denen Jugendliche brutale Gewalttaten verüben?

Lück: Niemand kann mit Zahlen belegen, dass es eine Zunahme gibt. Dramatisch finde ich die Qualität und Brutalität der Gewalt. Die Übergriffe sind wesentlich härter geworden. Die Hemmschwelle, die es früher noch gab - auf einen am Boden liegenden einzutreten - die gibt es nicht mehr. Dazu kommt, dass früher die Schlägereien eher in Kneipen stattfanden und nicht in öffentlichen Räumen. Dass die Taten jetzt in der Öffentlichkeit stattfinden, finde ich krank. Manchmal habe ich das Gefühl, dass solche Gewaltakte für die Täter eine Auszeichnung in ihrer Gruppe sind.

Was geht in den Köpfen der Täter vor? Spielen Rachegedanken an der Welt an sich eine Rolle?

Nein. Potenzielle Schläger tragen viele Ängste und Frustration mit sich rum. Sie haben null Selbstwertgefühl. Die Gewalt ist eine kompensatorische Handlung. Sie wollen Macht ausüben, erleben dann Adrenalin pur, bis zur Sucht. Es ist wie Gott spielen. Die meisten Täter sind bildungsferne Menschen, die oft selbst Gewalt erlebt haben. Sie entscheiden: Bevor ich zum Opfer werde, werde ich lieber zum Täter. Je größer die Frustration ist, desto größer ist auch die Aggression. Lebensängste spielen eine große Rolle und das Gefühl, Opfer der Gesellschaft zu sein.

Welchen Stellenwert haben Alkohol und Drogen bei solchen Taten?

Bei Männern sind Alkohol und Drogen fast immer dabei. Drogen wie Tilidin, ein aggressiv machendes Schmerzmittel, setzen die Hemmschwelle runter. Und Tilidin macht gerade seinen Lauf unter den Gangs.

Sollten die Täter möglichst hart bestraft werden? Könnten härtere Strafen präventiv wirken?

Prävention ist unheimlich schwierig. Was ich mir wünschen würde, wäre, dass man vorbelastete Jugendliche schon im Knast härter in die Therapie nimmt. Eine härtere Bestrafung ist nicht sinnvoll. Harte Strafen - keine Frage. Aber die Leute müssen auch wieder für die Gesellschaft kompatibel gemacht werden. Interview "Brutaler und immer härter" Lars-Oliver Lück, Diplom Sozialpädagoge und Therapeut für provokative Psychotherapie, sprach mit Katharina Roese über Jugendliche Gewalttäter.

Wie erklären Sie sich die Zunahme der Fälle in denen Jugendliche brutale Gewalttaten verüben?

Lück: Niemand kann mit Zahlen belegen, dass es eine Zunahme gibt. Dramatisch finde ich die Qualität und Brutalität der Gewalt. Die Übergriffe sind wesentlich härter geworden. Die Hemmschwelle, die es früher noch gab - auf einen am Boden liegenden einzutreten - die gibt es nicht mehr. Dazu kommt, dass früher die Schlägereien eher in Kneipen stattfanden und nicht in öffentlichen Räumen. Das die Taten jetzt in der Öffentlichkeit stattfinden, finde ich wirklich krank. Manchmal habe ich das Gefühl, dass solche Gewaltakte für die Täter eine Auszeichnung in ihrer Gruppe sind.

Was geht in den Köpfen der Täter vor? Spielen Rachegedanken an der Welt an sich eine Rolle?

Nein. Potenzielle Schläger tragen viele Ängste und Frustration mit sich rum. Sie haben null Selbstwertgefühl. Die Gewalt ist eine kompensatorische Handlung. Sie wollen Macht ausüben, erleben dann Adrenalin pur, bis zur Sucht. Es ist wie Gott spielen. Die meisten Täter sind bildungsferne Menschen, die oft selbst Gewalt erlebt haben. Sie entscheiden: Bevor ich zum Opfer werde, werde ich lieber zum Täter. Je größer die Frustration ist, desto größer ist auch die Aggression. Lebensängste spielen eine große Rolle und das Gefühl, Opfer der Gesellschaft zu sein.

Welchen Stellenwert haben Alkohol und Drogen bei solchen Taten?

Bei Männer sind Alkohol und Drogen fast immer dabei. Drogen wie Tilidin, ein aggressiv machendes Schmerzmittel, setzen die Hemmschwelle runter. Und Tilidin macht gerade seinen Lauf unter den Gangs.

Sollten die Täter möglichst hart bestraft werden? Könnten härtere Strafen präventiv wirken?

Prävention ist unheimlich schwierig. Was ich mir wünschen würde, wäre, dass man vorbelastete Jugendliche schon im Knast härter in die Therapie nimmt. Eine härtere Bestrafung ist nicht sinnvoll. Harte Strafen - keine Frage. Aber die Leute müssen auch wieder für die Gesellschaft kompatibel gemacht werden.


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erstellt am 03.Jun.2011 | 08:13 Uhr

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