zur Navigation springen
Neue Artikel

11. Dezember 2017 | 23:57 Uhr

Wirtschaft : Bröckelnde Geschäfte

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wirtschaft aus MV sucht den Dialog mit Putins Reich. Das Ziel: Aufhebung der EU-Sanktionen

Kontaktaufnahme in der neuen Eiszeit zwischen dem Westen und Russland: Ungeachtet der vor Jahren verhängten EU-Sanktionen und des Russland-Embargos, des Ukraine-Konfliktes und der Annexion der Krim drängt Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaft auf millionenschwere Geschäfte mit Putins Reich. „Der russische Markt ist für viele unserer Unternehmen auch mit Blick in die Zukunft weiterhin wichtig“, wirbt Claus Ruhe Madsen, Präsident der IHK Rostock vor dem heute beginnenden Russlandtag, die „Hände zum Dialog“ zwischen den Konfliktparteien auszustrecken. Madsen hatte schon beim ersten Russland-Tag in MV angemahnt, wieder aufeinander zuzugehen. „Ich bin nicht für einen Russlandtag, sondern für ein Russland-Jahr“.

Doch davon sind die Beziehungen noch weit entfernt. Vor allem in der Ernährungswirtschaft bröckeln die Geschäfte: Käse aus Wismar und Altentreptow, pflanzliche Nahrungsmittel – immer weniger geht. Ebbe auch in der Hafenwirtschaft: Die Sanktionen hätten negative Folgen für das Russland-Geschäft und die Entwicklung der Fährlinie Sassnitz¬-Ust-Luga, kritisiert Sassnitz Hafenchef Harm Sievers. Der Absatz, der im Russland-Geschäft weggebrochen ist, sei durch inländische Geschäfte nicht auszugleichen, sagt auch Bauernpräsident Detlef Kurreck.

Der Frust ist groß: Es geht um ein Millionengeschäft. Russland sei viertwichtigster Handelspartner Mecklenburg-Vorpommerns, ermittelte die Staatskanzlei. 2015 brach der MV-Außenhandel mit Russland um knapp 300 Millionen Euro ein, auf 717 Millionen Euro. Die Exporte von MV-Firmen ins Riesen-Reich kletterten nach drei Jahren des Rückgangs wieder. Die gewerbliche Wirtschaft konnte die Geschäfte hochschrauben, die Ernährungswirtschaft verbuchte hingegen Einbußen von 26 Prozent. Vor allem die Landwirtschaft glaubt, zum Spielball politischer Entscheidungen geworden zu sein. „Die Landwirtschaft ist geopfert worden“, kritisiert Kurreck. Die Wirtschaft in MV brauche langfristige Exportstrategien mit Russland. Das wird schwer: Die Russen hätten längst umorientiert, neue Partner gesucht und versucht, sich importunabhängiger zu machen, weiß Kurreck.

Um so mehr sucht die Wirtschaft in MV die Annäherung und stärkt Ministerpräsident Erwin Sellering den Rücken: Die Wirtschaft stehe „an der Seite der Landesregierung“ und unterstütze den Russland-Tag, sagt Madsen. „Wir müssen verstehen, was in Russland vorgeht“, sagt Kurreck. Die Erwartungen an den Russlandtag sind hoch.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen