Breitbild-TV für Kinofreaks

Bisher der einzige Fernseher im Breitbild-Format auf dem Markt: der Philips Cinema 21:9. Bild: Hersteller
Bisher der einzige Fernseher im Breitbild-Format auf dem Markt: der Philips Cinema 21:9. Bild: Hersteller

Blockbuster ohne schwarze Balken: Im 21:9-Format kommen Kinofilme unverzerrt auf die TV-Mattscheibe. Am Markt gibt es aber derzeit nur ein Modell - die Branche gibt sich beim Breitbild-Format abwartend.

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14. September 2009, 06:30 Uhr

Hamburg (ddp) - Was eigentlich ist eine Heimkinoanlage? Das Ensemble aus großem Flachbildfernseher, Surround-Boxen und Blu-ray-Player? Könnte man meinen. Doch seit einigen Monaten steht der Heimcineast einer puristischen Verlockung gegenüber, für die es bis dato keine Alternative gibt. Es ist ein 56-Zoll-Breitbildfernseher, 37 Kilogramm schwer. Was ihn allerdings so einzigartig macht, ist sein Seitenverhältnis von 21:9 - das entspricht nahezu dem Cinemascope-Format, in dem fast alle Kinostreifen abgedreht sind.

Noch nie sind Blockbuster formatfüllend, verzerrungsfrei oder ohne schwarze Balken auf die Mattscheibe ins Wohnzimmer vorgedrungen. Doch andere Hersteller halten sich mit Nachahmungen derzeit zurück. Der Philips Cinema 21:9, wie er seit April nun schon für 3999 Euro erworben werden kann, ist ein Testballon. So sieht es auch Peter Nonhoff-Arps, Redakteur beim Computermagazin «ct» und TV-Experte: «Es wollen alle erst einmal gucken, wie sich der Fernseher verkauft.»

Teures TV-Gerät für Heimkinofans

Fest steht: Der breiteste unter den TVs ist ein Produkt für Kinofreaks, dessen Kauf zudem nicht gerade aus der Portokasse bestritten werden kann. Und er ist allein auf weiter Flur. Wer zu Hause im Cinemascope-Format Filme sehen möchte, «der müsste das Philips-Gerät kaufen», sagt Nonhoff-Arps. Selbst Beamer gebe es höchstens für das 16:9-Format. Was für Blockbuster-Freaks derzeit wohl das Nonplusultra darstellt, ist für den alltäglichen TV-Einsatz allerdings nicht optimal. «Für Leute, die viel Talkshows und Serien gucken, ist der Philips nichts», sagt der Redakteur.

Für den Hersteller passt alles zusammen: Das Breitbildgerät verkauft sich laut Sprecher Georg Wilde «den Erwartungen entsprechend» und fungiert bestens als «Imageträger, der die Innovationskraft von Philips untermauern» soll. Auf der am Mittwoch zu Ende gegangenen Internationalen Funkausstellung stellte man sich deshalb «nicht nur einen» an den Berliner Messestand, obwohl der 21:9 «nur eine enge Nische» bedient. «Wir wundern uns auch, dass bislang keiner nachgezogen hat», sagt Wilde über die Zurückhaltung der Konkurrenz.

HDTV mit Balken am Rand

Im «ct»-Labor schnitt der Bolide zwar auch in der Disziplin TV-Qualität gut bis zufriedenstellend ab. Doch HDTV etwa, das meist im Seitenverhältnis 16:9 produziert ist, stellt er, wie Bilder im 4:3-Format auch, nur mit seitlichen schwarzen Balken dar. «Es sei denn, Sie skalieren das Bild hoch. Dann hat man zwar keine Balken mehr, es fehlt aber an Bildinhalt», erläutert «ct»-Redakteur Nonhoff-Arps.

Ein Trostpflaster bleibt: 21:9-Kinofilme, die in hochauflösendem HDTV mit schwarzen Balken am oberen und unteren Bildrand übertragen werden, können Nonhoff-Arps zufolge ohne sichtbaren Qualitätsverlust formatfüllend dem Display des High-End-Flimmerkastens angepasst werden.

Konkurrenz für Philips erwartet

Bis zum Jahresende könnte es laut Nonhoff-Arps enger werden in der Nische: «Ich kann mir vorstellen, dass am ehesten Sharp nachzieht.» Schließlich sei das Panel, also das Display des 21:9-Zöllers, von Sharp entwickelt worden. Philips baut nach eigenen Angaben keine eigenen Panels und kauft zu, wie das in der Branche durchaus üblich ist. Laut Nonhoff-Arps arbeitet Sharp zurzeit an einem eigenen Ultrabreit-TV. Beim Hersteller selbst heißt es offiziell, man habe keine Pläne in der Schublade. Ein Firmen-Sprecher lässt jedoch tief blicken: «Technologisch sind wir jederzeit in der Lage so ein Gerät zu machen, wenn wir das Gefühl haben, am Markt punkten zu müssen.»

«Die Entwicklung ist sehr teuer, das leistet sich so schnell niemand anderes», nennt der «ct»-Redakteur einen mutmaßlich Grund für die Zurückhaltung der anderen gängigen Anbieter von TV-Geräten und Heimkinoanlagen. Martin Winkler etwa, der Marketing-Chef von Sony Deutschland, sagt: «Sony setzt dieses Jahr den Schwerpunkt auf 3D.» Cinemascope habe auf der IFA keine Rolle gespielt.

Eine ähnliche Auskunft gibt der Hersteller Samsung, der seinerseits ganz auf LED- und 200-Hertz-Technologie setzt. «Im Wohnzimmer wird sich das 21:9-Format nicht normal etablieren», schätzt Nonhoff-Arps. Trotzdem dürfte es einen Markt für die Geräte geben, den die Firmen auf Dauer nicht nur einem Hersteller überlassen werden. Sobald mehr Breitbild-Flimmerkästen in die Nische drängen - das verbleibt als Botschaft für den Kino liebenden Verbraucher - wird es wohl auch im Preisgefüge knirschen.

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