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22. August 2017 | 18:33 Uhr

BER : Brandschutzanlage fliegt raus

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Als „Monster“ wird Anlage 14 von Insidern bezeichnet. Eigentlich ihrer Größe und der ihr zugedachten Leistung wegen, mittlerweile dürfte sich der Name auch auf die Probleme beziehen, die das „Monster“ dem Team unter Leitung von Jochen Großmann bereitet.

Als Wunderwaffe auf dem Papier geplant und in Simulationen getestet sollte die Anlage sämtlichen Rauch aus den Etagen des riesigen BER-Terminals saugen – aus allen Räumen.

Doch Technik-Leiter Großmann weiß seit wenigen Wochen: „Anlage 14 war ein Planungsfehler und hätte in dieser Form nie funktionieren können.“ Praxistests hätten das belegt. Statt über mehrere hundert Meter den Qualm aus brennenden Objekten abzusaugen, verbreitete sich der Rauch über das gesamte Terminal. „Die Anlage ist nicht beherrschbar“, schlussfolgert Großmann und schiebt die Schuld den Planern zu, die sie unter Leitung des Architektenbüros Gerkan, Marg & Partner entworfen hatten.

„Da war für uns klar: Gehe zurück auf ‚Los‘“, sagt Großmann. Zwischen 2500 Kubikmeter Rauch aus kleinen Räumen und 250 000 Kubikmeter aus großen sollte das „Monster“ pro Stunde absaugen können und dabei verhindern, dass sich der Qualm in andere Bereiche ausdehnt. Mit dieser Aufgabenstellung und etwa 50 von 150 möglichen Brandszenarien war Anlage 14 letztlich aber völlig überfordert. Durch die viel zu langen Kanäle im riesigen Terminal und Druckverluste sei der Anteil sogenannter „Falschluft“ zu hoch gewesen. Ein Grund dafür ist offensichtlich die über die Jahre ausufernde Planung am Flughafen. BER sei inzwischen doppelt so groß als in der Anfangsphase, sagt Großmann. Bei solchen Entwicklungen sei es immer schwierig, die Gebäudetechnik anzupassen. „Mit dem Wachsen gab es zwar auch Überlegungen, die Anlage zu teilen, aber dieser Schritt ist nie vollzogen worden“, sagt Flughafensprecher Ralf Kunkel. Erst jetzt hat man sich dazu durchgerungen, weil man zwei Jahre nach der geplatzten Eröffnung endlich weiß, wie das Brandschutzsystem tickt. „Wir wollen die Anlage verstehen, ehe wir bauen“, sagt Großmann, der seit Juni 2013 das von BER-Chef Hartmut Mehdorn ins Leben gerufene Sprint-Team leitet. Er hat verstanden.

In der Aufsichtsratssitzung am Freitag will die Flughafengesellschaft nicht nur die Lösung des Entrauchungsproblems im Terminal präsentieren, sondern auch über eine Erweiterung der Klage gegen die früheren Planer um eben diesen Punkt beraten. Denn die Entrauchung ist und bleibt nach Einschätzung von Uwe Hörmann, Leiter Zentrale Planung & Strategie am BER, der kritische Pfad für die Gesamtinbetriebnahme. Das „Monster“ wird nun zerlegt, um es beherrschbar zu machen.

Dass der Umbau zu Mehrkosten des Milliardenprojekts führen, liegt nach Aussagen von Uwe Hörmann auf der Hand. Wie hoch sie sein werden, kann er jedoch nicht sagen.

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