Brähmers Kampfabsage gibt weiter Rätsel auf

Gleich zwei Begründungen wurden gestern zur Absage „aus persönlichen Gründen“ des für heute in Halle/Saale geplanten Kampfes von Jürgen Brähmer geliefert. Das Rätselraten um den mysteriösen Nichtantritt des Schweriners aber geht weiter.

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22. Februar 2008, 07:41 Uhr

Halle (Saale)/Schwerin - Zumindest eines scheint in bezug auf die mysteriöse Kampfabsage von Jürgen Brähmer für den heutigen Kampfabend in Halle (Saale) sicher: Er wird tatsächlich nicht antreten. Am Freitag hatte Universum öffentlich Dimitri Sartison als Ersatzmann für den Kampf gegen den Argentinier Pablo Daniel Zamora Nievas benannt. Ansonsten bleibt alles weiter nebulös, auch wenn gleich zwei Erklärungen für den Nichtantritt des Schweriners geliefert wurden. Zunächst teilte Promoter Klaus-Peter Kohl am Mittag mit, dass ein „nahestehendes Familienmitglied Jürgen Brähmers schwer erkrankt“ sei und der 29-Jährige deshalb auf seinen Einsatz verzichte.

Universum-Erklärung: „Vorbereitung zu kurz“
Wenig später gab der Universum-Boxstall die tags zuvor gegenüber unserer Redaktion angekündigte Presseerklärung heraus, in der es hieß: „Nach der kurzfristigen verletzungsbedingten Absage des ursprünglichen Gegners Gusmyl Perdomo, einem Rechtsausleger, war die Umstellungszeit auf den neuen Gegner Nievas, der in Normalauslage boxt, trotz aller Bemühungen doch zu kurz. Mit einer intensiven Vorbereitung und gut 80 Sparringsrunden hatte sich Brähmer speziell auf diesen Gegner eingestellt. Zudem ist in dieser Woche eine wichtige Bezugsperson aus Brähmers Umfeld schwer erkrankt.“

Laut Universum soll der Schützling von Trainer Michael Timm daher in Erinnerung an den ersten Kampf gegen seinen Stallgefährten Mario Veit, der im Mai 2006 nach einer eher schlampigen Vorbereitung Brähmers mit der bislang einzigen Niederlage seiner Profi-Karriere endete, „für sich erkannt (haben), dass er nicht mehr die nötige Spannung halten konnte, um am Samstag den Kampf konzentriert und erfolgreich zu gestalten“.

Wer indes Jürgen Brähmer kennt, hegt da einige Zweifel. Zum einen will der 29-Jährige schnellstmöglich Weltmeister werden und sagte schon mehr als einmal selbstbewusst: „Der Gegner ist mir egal. Ich boxe jeden.“ Zum anderen hat er aus der Veit-Niederlage seine Lehren gezogen und meinte zum Beispiel vor dem zweiten Vergleich der beiden im vergangenen September in Rostock, den er durch K.o. in der 4. Runde gewann: „Vor unserem ersten Duell hatte ich mich nur fünf Wochen vorbereitet. Sowas macht man einfach nicht und das passiert mir auch nie wieder.“

Entsprechend hatte er auch diesmal eine intensive Vorbereitung unter anderem mit einem mehrwöchigen Trainingslager im österreichischen Sölden bestritten. Daher scheint es wenig glaubhaft, dass er nach dem Ausfall von Perdomo, immerhin Nr. 5 der WBA-Weltrangliste (Brähmer ist dort wie auch bei der WBO auf eins gelistet), gegen einen Mann kneifen soll, der bei keinem der vier großen Weltverbände unter den top 15 auftaucht.

WM-Kampf noch keinen Schritt näher gekommen
Eher ist denkbar, dass sich Brähmer von seinem Boxstall verschaukelt fühlt. „Jetzt bin ich reif für die WM – ich will bald Weltmeister werden“, hatte der Schweriner WBO-Interkontinentalmeister nach seiner erfolgreichen Titelverteidigung gegen Veit in Rostock verkündet. Nach der Klasse-Leistung seines Schützlings hatte damals auch Promoter Kohl gesagt: „Jetzt müssen wir einen WM-Kampf haben“, und zugleich gehofft, dass der Waliser Joe Calzaghe seine drei WM-Titel niederlegt, um im Halbschwergewicht einen schon seit längerem avisierten Millionenkampf gegen Bernard Hopkins (USA) zu bestreiten. „Dann“, so Kohl, „wäre der Weg zum Titelkampf frei.“

Diesen Kampf aber hat es bislang nicht gegeben. Calzaghe hält noch immer die WM-Gürtel von WBA, WBC und WBO. Universum ist – zumindest nach außen sichtbar – einem WM-Kampf noch keinen Schritt näher gekommen. Statt dessen sollte Brähmer nun gegen den „Hilfsgegner“ aus Argentinien ran. Verständlich, wenn er langsam sauer würde. Und mit Sicherheit hätte er auch das Kreuz und die Kompromisslosigkeit, es dann auf eine Machtprobe mit seinem Arbeitgeber, wie sie die Absage nun einmal darstellt, ankommen zu lassen.

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