BMW Z4: Klappe statt Kappe

Behutsame Weiterentwicklung: BMW hat der Karosserie des Z4 mehr Kontrast verpasst. (Bild: BMW)
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Behutsame Weiterentwicklung: BMW hat der Karosserie des Z4 mehr Kontrast verpasst. (Bild: BMW)

Originelle Idee: BMW schickt die Neuauflage seines Roadsters Z4 mit Metallverdeck statt Stoffdach ins Rennen. Der damit versprochene Raumgewinn erfüllt sich allerdings nur bedingt. Dafür punktet der Z4 mit Design und Fahrdynamik.

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15. April 2009, 04:17 Uhr

Hamburg (dpa-infocom) - Der Wetterbericht gehört für die BMW-Mannschaft derzeit zur Pflichtlektüre. Zum Beginn der Open-Air-Saison bringen die Bayern die dritte Auflage ihres Roadsters auf den Weg und hoffen darauf, dass die Sonne viele Frühbucher zu den Händlern lockt.

Den Generationswechsel des Roadsters, der Anfang Mai auf den Markt kommt, erkennt man schon am offenen Auto. Nicht umsonst haben die Designer die Form behutsam weiterentwickelt. So wurden neue Kontrastlinien ins Blech geschnitten und die Kiemen stärker betont. Zudem wurde die Motorhaube wie ein Deckel über die Kotflügel gezogen sowie vorn und hinten die Leuchten getauscht. Doch die echte Überraschung zeigt sich erst bei schlechtem Wetter. Dann nämlich trägt der Z4 künftig Klappe statt Kappe und sperrt den Regen nicht mehr mit einer Stoffmütze, sondern mit einem Blechdach aus, das sich in 20 Sekunden aus dem Kofferraum faltet.

Mehr Raum, aber nicht mehr Ruhe

Den Verzicht auf das Textilverdeck begründen die Bayern mit der schöneren Linienführung bei geschlossenem Dach sowie mehr Alltagstauglichkeit. Außerdem versprechen sie mehr Ruhe und ein gleichbleibendes Klima. Darüber hinaus soll der Z4 mit dem neuen Dach mehr Kofferraumvolumen und eine bessere Rundumsicht bieten. Diese Versprechen erfüllt der Z4 in der Praxis allerdings nur bedingt. Zwar wächst das Ladevolumen in der Coupé-Konfiguration um 50 auf 310 Liter. Aber bei offenem Dach wird es unter der Klappe mit 180 Litern schon wieder eng - und die Ladeluke schmilzt zu einem Schlitz kaum größer als bei einem Briefkasten.

Auch den versprochenen Raumgewinn für die Passagiere muss man lange suchen. Zwar wurde der Z4 um 15 Zentimeter gestreckt. Doch bis auf die spürbar längeren Türen und den damit bequemeren Einstieg bekommen die Insassen davon nicht viel mit. Zugegeben. Hinter den Sitzen gibt es jetzt noch Platz für eine Jacke oder eine Aktentasche. Aber davor bleibt der Z4 so knapp geschnitten wie eh und je. Nur an den Schultern geht man auf Distanz zum Nebenmann.

Wohlfühlen mit Wolle statt mit warmer Luft

Dafür verwöhnt BMW die Kunden mit einem neu gestalteten Interieur, das in Ergonomie und Materialanmutung einen großen Schritt nach vorn macht. Die gut ablesbaren Instrumente kennt man vom 3er, der wie ein Schlangenkopf geformte Wählhebel für die Automatik stammt aus dem X5. Und die Navigation auf dem noch immer etwas altbackenen Klappbildschirm bedient man jetzt zeitgemäß mit einem Drehregler auf dem Mitteltunnel. Was fehlt, ist jedoch ein Schalter für die Kopfraumheizung, die sich langsam bei der Konkurrenz etabliert. BMW-Fahrer müssen dagegen immer noch zur wärmenden Mütze greifen.

Über jeden Zweifel erhaben bleibt das Fahrgefühl. Präzise und scharf wie ein Skalpell lässt sich der Z4 entlang der Ideallinie führen und giert dabei förmlich nach Kurven. Wer es ruhiger angehen lassen möchte, kann mit einem Knopfdruck den Charakter ändern. Möglich macht das die «Fahrdynamic Control», mit der die Programmierung von Lenkung, Getriebekennlinie, Stabilitätssystem, Motorelektronik und bei entsprechender Ausstattung auch die variablen Dämpfer des Sportfahrwerks modifiziert werden.

Großer Sechszylinder statt M-Version?

Wie so viele neue Autos startet auch der Z4 mit den großen und starken Motoren. Zum Verkaufsbeginn gibt es deshalb nur drei Sechszylinder mit 2,5 oder 3,0 Litern Hubraum und 150 kW/204 PS bis 225 kW/306 PS. Dadurch steigt der eigentlich kaum veränderte Preis um 6000 Euro. Wer wirklich Spaß haben will, ist sogar mit 49 850 Euro dabei. Dafür gibt es nicht nur den starken Bi-Turbo, sondern auch die Doppelkupplung aus dem M3. Beeindruckende 400 Newtonmeter und kaum fühlbare Schaltpausen reichen für einen Sprintwert von 5,1 Sekunden und eine Elastizität, die Überholvorgänge zum Kinderspiel macht. Kein Wunder, dass BMWs Werkstuning-Sparte M GmbH einen M Roadster bereits infrage stellt. Und wer nur auf den Normverbrauch von 9,0 Litern (CO2-Ausstoß: 210 g/km) schaut, muss nicht einmal ein schlechtes Gewissen haben.

Mit der neuen Auflage hat BMW das Profil des Z4 weiter geschärft. Über Helm statt Haube als Dachkonstruktion kann man streiten. Aber das Design ist gelungen, die Motoren wahren halbwegs die Balance zwischen Vernunft und Vergnügen und das Fahrverhalten schindet mächtig Eindruck - sonnige Aussichten also für BMW-Kunden. Und wem das neue Dach nicht gefällt, für den gibt es eine simple Lösung: einfach offen lassen.

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