Blauem Dunst droht Stadionverbot

Immer mit Zigarre im Mund: Ex-Schalke-Manager Rudi Assauer
Immer mit Zigarre im Mund: Ex-Schalke-Manager Rudi Assauer

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06. Februar 2008, 04:48 Uhr

Kampf dem blauen Dunst in Fußball-Stadien: Die Bundesligaclubs geraten immer mehr unter Druck. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), befürwortet zwar eine „freiwillige Selbstverpflichtung“ zu Lösungen mit Nichtraucherzonen. Allerdings schloss sie die Notwendigkeit staatlicher Regelungen am Mittwoch nicht aus. Wenn es auf freiwilliger Basis keinen besseren Nichtraucherschutz gebe, seien die Länder gehalten, den Schutz auszudehnen. Bätzing sprach von einer „immensen Verantwortung“ des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL). „Rauchen und Sport passen nicht zusammen“, hatte sie schon vorher gesagt.

Zu Assauers Zeiten undenkbar
Was vor Jahren undenkbar schien und nicht nur für den Zigarren rauchenden Schalker Ex-Manager Rudi Assauer ein Gräuel wäre, ist vielerorts allerdings schon Realität. In zahlreichen Bundesliga- Arenen sind längst Nichtraucherzonen eingerichtet. So gibt es etwa bei Borussia Dortmund, Schalke 04, VfL Bochum, Arminia Bielefeld, Eintracht Frankfurt, Hamburger SV, VfL Wolfsburg, 1. FC Nürnberg und Hertha BSC Berlin dunstfreie Familienblöcke. Auch in einigen Innenräumen der Stadien sind Zigaretten, Zigarren und Pfeifen tabu. Komplette Rauchverbote plant indes noch keiner der 15 Eliteclubs, obwohl die Stimmen danach vor allem aus der Politik lauter werden.

Nichtraucher brauchen auch im Stadion Schutz
Die Drogenbeauftragte der Unionsfraktion im Bundestag, Maria Eichhorn (CSU), fordert, den „größten Teil der Stadien“ rauchfrei zu machen. Man könne sich nicht der Forderung entziehen, Nichtraucher in Stadien zu schützen. Für ein komplettes Rauchverbot plädiert gar der Präsident des schleswig-holsteinischen Fußballverbandes, Hans-Ludwig Meyer. „Zigaretten und Tabakqualm gehören nicht auf Sportplätze, von der Kreisklasse bis zur Bundesliga“, sagte er den „Lübecker Nachrichten“

Clubverantwortliche sehen keinen Handlungsbedarf
Solche Forderungen stoßen nicht überall auf Gegenliebe. Martin Kind, Vorstandsvorsitzender von Hannover 96, lehnt ein generelles Verbot ab: „Im Freien sehe ich überhaupt keinen Handlungsbedarf.“ Und auch der „Club“ sieht über einzelne Blöcke und Innenräume hinaus keinen Handlungsbedarf. „Ich denke, dass wir eine gute und ausreichende Lösung haben“, sagte Sportdirektor Martin Bader.

"Familien sagen dankeschön"
Viele Vereine haben schon gute Erfahrungen mit Schutzzonen gemacht. Nicht nur in Dortmund schätzen die Fans den Anfang der Vorsaison eröffneten Familienblock. „Die Familien sagen dankeschön“, sagte BVB-Sprecher Josef Schneck. Und auch dort, wo noch kein Verbot herrsche, werde weniger zum Glimmstängel gegriffen. „Das Bewusstsein, in geschlossenen Räumen zu rauchen, hat sich wohl gewandelt.“ Für optimal hält Schneck die derzeitige Praxis trotzdem nicht. „Ich bin der Ansicht, man sollte eine einheitliche Regelung finden.“

Noch keine gesetzliche Grundlage
Dortmunds Nachbar Schalke sieht die Clubs in einer Übergangsphase: „Es gibt noch keine gesetzliche Grundlage für Regelungen bei Sport- Großveranstaltungen in den Stadien“, sagte Christoph Pieper von der S04-Presseabteilung. Das gelte selbst dann, wenn das Dach der Veltins-Arena geschlossen sei.

Von englischen Verhältnissen meilenweit entfernt
Von rauchfreien Stadien wie in England oder bei den Fußball- Weltmeisterschaften 2002 in Japan/Südkorea und 2006 in Deutschland ist die Bundesliga noch weit entfernt. Auf den Rängen in München, Stuttgart, Bremen, Stuttgart und Cottbus darf derzeit noch unbehelligt gepafft werden. Die Allianz Arena München Stadion GmbH rechtfertigt das mit der offenen Bauweise des Stadions.

Eine Frage der Kontrolle
„Es stellt sich sowieso die Problematik, wie man das kontrollieren soll“, meinte Sven Judith vom MSV Duisburg mit Blick auf ein generelles Verbot. Ähnliche Sorgen hat Ronny Gersch von Energie Cottbus: „In unseren Familienblöcken herrscht kein Rauchverbot, weil das im Freiluft-Bereich im Moment schwer umzusetzen sein dürfte.“

Düsseldorfer Arena ist Vorreiter
Weiter ist man schon zwei Spielklassen tiefer bei Fortuna Düsseldorf in der Regionalliga Nord. Die LTU-Arena ist bereits seit mehreren Jahren bei geschlossenem Dach vollständig rauchfrei. „Wir werden wahrscheinlich aus Rücksicht auf Nichtraucher in absehbarer Zeit auch bei offenem Dach ein komplettes Rauchverbot einführen“, kündigte Fortuna-Sprecher Tom Koster an.

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