"Bisher ist es eine solide Amtsführung"

svz.de von
18. März 2013, 10:09 Uhr

Mit Professor Jürgen W. Falter, Parteienforscher an der Universität Mainz, sprach Andreas Herholz über die Amtsführung von Gauck.

Bei der Wahl zum Bundespräsidenten waren vor einem Jahr die Erwartungen an Joachim Gauck sehr groß. Ist er ihnen schon gerecht geworden?

Falter: Die Erwartungen waren riesig, zu hoch, als dass er sie hätte gleich im ersten Amtsjahr erfüllen können. Er ist aber der Bürgerpräsident, der er sein wollte. Er sucht immer wieder die Nähe zum Volk, spricht natürlich und vertrauensvoll mit den Menschen. Joachim Gauck ist ein Staatsoberhaupt, das das Wort häufig und gezielt einsetzt. Er pflegt eine geschliffene Sprache und verfügt über eine große Routine, mit dem Wort umzugehen. Es ist ihm allerdings noch nicht gelungen, eine große Rede zu halten, die einen positiven Widerhall in der ganzen Nation gefunden hätte. Das hohe Ansehen und die guten Beliebtheitswerte gab es praktisch bei jedem Bundespräsidenten, sie sind zum großen Teil auf das Amt zurückzuführen.

Ist es nach den Rücktritten seiner Vorgänger Horst Köhler und Christian Wulff nicht schon ein Wert an sich, dass wieder Ruhe einkehrt und das Amt des Bundespräsidenten aus den negativen Schlagzeilen heraus ist?

Das ist sicherlich richtig. Bisher ist es eine solide Amtsführung. Aber es war nicht immer ruhig.

Es gab beispielsweise Ärger, als er der Äußerung der Bundeskanzlerin widersprochen hat, dass die Sicherheit Israels Teil deutscher Staatsraison sei oder als er im Zusammenhang mit der Sexismusdebatte von Tugendfuror sprach.

Joachim Gauck hat das Thema Freiheit als Überschrift seiner Präsidentschaft gewählt. Reicht das aus?

Jeder Präsident braucht ein bestimmtes Leitthema. Bei Christian Wulff war dies Integration und Zusammenhalt. Dass Joachim Gauck das Thema Freiheit wählt, ist bei seiner Biographie als DDR-Pfarrer und Bürgerrechtler völlig verständlich und authentisch. Aber er ist nicht eindimensional. Man wird nach einem Jahr auch nicht überdrüssig, etwas über das Thema Freiheit zu hören. Es sollte aber in den nächsten Jahren seiner Präsidentschaft deutlich werden, was außer Freiheit und Bürgernähe seine weiteren Kernthemen sind.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen