Kroatien: Bilic setzt auf "Helden von Klagenfurt" : Bilic: "Wir müssen cool bleiben"

Noch zehn Tage läuft die 13.Europameisterschaft. Für Slaven Bilic aber steht schon heute eines fest. "Was immer noch passiert", erklärt der kroatische Nationaltrainer, "wir sind eine große Mannschaft und ich bin stolz auf diese Jungs."

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19. Juni 2008, 11:58 Uhr

Drei Spiele, neun Punkte. Schon nach der Vorrunde haben die Kroaten einen Sieg mehr eingefahren als bei ihren bisher zwei EM-Teilnahmen zusammen (Bilanz 1996 und 2004: zwei Siege, zwei Unentschieden, drei Niederlagen). Und seit Montag scheint klar, dass der Nachfolger Griechenlands nur Kroa- tien heißen könnte - wenn Fußball mit 23 Spielern gespielt würde. Wohl keiner der anderen Viertelfinalisten hat einen so perfekt sitzenden "zweiten Anzug"; auch eine mit neun Profis aus der zweiten Reihe bestückte Elf beherrschte Polen klar.Hat Bilic bei der Wahl seiner Startelf für das Viertelfinale am Freitag gegen die Türkei nun ein Problem? "Nein", antwortet der 39-Jährige, für jeden Trainer sei es gut, die freie Auswahl zu haben, "ich freue mich, dass ich viele Optionen habe". Zwei Spieler aus dem 23-er Kader allerdings haben sich für den weiteren EM-Verlauf abgemeldet: Innenverteidiger Dario Knezevic, der sich im Polen-Spiel bei einem Zusammenprall mit Torhüter Vedran Runje eine schwere Bänderdehnung im Knie zuzog, und der schon vor EM-Beginn lange fragliche Stürmer Igor Budan vom FC Parma, der erneut über Knieprobleme klagt und am Dienstag zu einer Arthroskopie nach Italien reiste. Die derzeit angeschlagenen Dario Srna (Oberschenkel) und Ivan Rakitic (Knie) dagegen werden am Freitag auflaufen können, so dass Bilic wohl auch in Wien auf die "Helden von Klagenfurt" setzt, jene Elf, die Deutschland vor einer Woche mit 2:1 besiegte.Den Viertelfinalgegner hat Bilic auf mehreren DVDs studiert und analysiert. "Taktisch und technisch stark" schätzt er die Türken ein, "aber wie alle Mannschaften haben auch sie ihre Schwächen, die wir ausnutzen wollen." Für den Nationaltrainer schließt sich mit dieser Paarung ein Kreis. Mit einem Spiel gegen die Türkei bei der EM in England begann 1996 die Turniergeschichte Kroatiens. "Ich erinnere mich gut", sagt Bilic, "es war das erste EM-Spiel für uns als unabhängiges Land, wir galten als große Favoriten und standen unter großem Druck." In einer schwachen Partie hielt die kroatische Deckung um Innenverteidiger Bilic das Zu-null, kurz vor dem Abpfiff erzielte Goran Vlaovic das Siegtor. "Dieser Sieg gab uns so viel Selbstvertrauen, dass wir ins Viertelfinale vordrangen."Dort stehen die Kroaten auch nun, bei der EM 2008, doch dies soll noch lange nicht alles gewesen sein. "Wir müssen cool bleiben", meint Bilic, "auch das Viertelfinale einer EM ist nur ein Spiel." Gut möglich, dass der Trainer am späten Freitagabend noch ein bisschen mehr Stolz auf seine Jungs verspürt.
Über Kroatien berichtet Harald Kaiser

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