«Betriebsablauf» adieu: Neue Bahnhofsdurchsagen

Die Lautsprecherdurchsagen auf Deutschlands Bahnhöfen sollen genauer werden. (Bild: dpa)
Die Lautsprecherdurchsagen auf Deutschlands Bahnhöfen sollen genauer werden. (Bild: dpa)

Berlin (dpa) - Zehntausende Pendler und ICE-Reisende können grimmig mitsprechen, wenn ihr Zug später kommt: «Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf...», schallte es oft wenig erhellend aus den Lautsprechern über den Bahnsteigen der Republik.

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05. Juni 2009, 05:54 Uhr

Berlin (dpa) - Zehntausende Pendler und ICE-Reisende können grimmig mitsprechen, wenn ihr Zug später kommt: «Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf...», schallte es oft wenig erhellend aus den Lautsprechern über den Bahnsteigen der Republik.

Von solchen Standarddurchsagen im Eisenbahner-Deutsch will der bundeseigene Konzern nun Abschied nehmen. Kunden sollen besser informiert werden. An 4000 größeren Stationen soll schrittweise eine neue Richtlinie greifen, die auf eine klarere Ansprache zielt. Von «Verzögerungen im Betriebsablauf» sollen die Kunden dann nur noch ausnahmsweise zu hören bekommen - wenn die konkreten Gründe wie Baustellen oder ein kaputter Zug unbekannt sind.

«Wir haben die Informationen für Reisende verständlicher und genauer gemacht», sagt eine Bahnsprecherin in Berlin. Um die Ursache einer Verspätung zu erläutern, sollen die Mitarbeiter am Mikrofon zuerst ins bahninterne Computersystem schauen, in dem die entsprechenden Verkehrsdaten auflaufen.

Einprägsamer werden sollen die Durchsagen ebenfalls. Statt einen «Intercity-Express» oder einen «Regionalexpress» anzukündigen, heißt es im Standardtext künftig kurz ICE oder RE, jeweils plus Zugnummer. Und bei grenzüberschreitenden Zügen werden bei Durchsagen auf Deutsch künftig die deutsche Ortsnamen «Prag» oder «Warschau» statt «Praha» und «Warszawa» in Landessprache verwendet.

Für Fahrgastvertreter geht die Ansage-Reform in die richtige Richtung. «Wenn man informiert wird und am besten auch noch eine Lösung angeboten bekommt, fühlt man sich ernst genommen», sagt Karl- Peter Naumann, Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. Er kann selbst von vielen rätselhaften Durchsagen erzählen.

Einmal sei eine Verspätung zum Beispiel mit einem «Parktausch» begründet worden - gemeint war aber nichts Botanisches, sondern eine Änderung im sogenannten Fahrzeugpark. «Die Ansage muss die Lage für die Kunden übersetzen», sagt Naumann und denkt dabei auch an Formulierungen wie «geänderte Wagenreihung».

Eine eher atmosphärische Kritik vieler Reisender nahm die Bahn gleich mit auf in ihren Änderungskatalog. Die bisherige Ansage-Schlussformel «Wir bitten um Verständnis», die manchen wenig amüsierten Fahrgast zusätzlich auf die Palme bringt, hat ausgedient. Stattdessen heißt es nun höflicher: «Wir bitten um Entschuldigung.»

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