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18. November 2017 | 17:11 Uhr

Kranke Straßen : Betonkrebs zerfrisst Autobahnen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bislang 115 Kilometer in Brandenburg befallen – Kosten: 90 Millionen Euro

Brandenburgs Autobahnen werden vom Betonkrebs zerfressen. Nach Angaben des Landes ist auf 115 Kilometern die zersetzende Alkali-Kieselsäure-Reaktion (AKR) im Beton nachgewiesen worden. Die Sanierungskosten werden auf bis zu 90 Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren beziffert.

Der südliche Berliner Ring, die A2 in Richtung Hannover und die A9 nach Nürnberg sind in den Augen von ADAC-Experte Jörg Becker nur die Spitze des Eisbergs. „Ich befürchte, dass es nicht bei den 115 Kilometern bleiben wird“, kommentiert Becker die Zahlen des Landesbetriebs Straßenwesen. 800 Kilometer umfasst das Autobahnnetz in Brandenburg, knapp die Hälfte davon ist betoniert. „Beton ist im Vergleich zu Asphalt bei der Achsbelastung nicht zu toppen“, sagt Edgar Gaffry vom Landesbetrieb.

Doch die prognostizierte Liegedauer der Betonpisten von 25 Jahren wird nur selten erreicht. Ein Grund: Betonkrebs, der durch eine chemische Reaktion hervorgerufen wird und vor allem auf ostdeutschen Autobahnen wütet. Es entstehen Risse, die sich durch Frost und tonnenschwere Laster unkontrolliert ausbreiten und nur durch aufwändige Sanierung gestoppt werden können. Bis zu 90 Millionen Euro muss der Bund innerhalb der nächsten zehn Jahre in Brandenburgs Autobahnen investieren, um den Betonkrebs auszurotten.

Auslöser der bei der Sanierung Anfang der 1990er-Jahre unterschätzten Gefahr sind einige verwendete Kiessorten. Zutage tritt der Schaden erst nach vielen Jahren – zu einem Zeitpunkt, in dem Unternehmen nicht mehr haftbar gemacht werden können. Inzwischen hat der Bund reagiert und lässt „jegliche Betonrezepturen vor dem Einbau hinsichtlich einer AKR-Reaktivität“ testen, wie Cornelia Mitschka, Sprecherin des Landesbetriebs Straßenwesen betont. In Klimakammern werde vor Baubeginn ein sogenannter Performance-Test durchgeführt. Auch die bisherige Praxis, aufgebrochenen, zerbröselten Altbeton erneut als Zuschlagstoff für neuen Beton einzusetzen, sei inzwischen tabu. Er wird als Sondermüll entsorgt.

Knapp die Hälfte des insgesamt 800 Kilometer langen Brandenburger Autobahnnetzes besteht aus Beton – bundesweit sind es 25 Prozent von fast 13 000 Kilometern.

Im Bundesverkehrsministerium ist man sich sicher, dass „zukünftig AKR-Schäden bei neu gebauten Fahrbahndecken aus Beton vermieden werden können“.

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