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24. November 2017 | 08:27 Uhr

Pannen-Flughafen : BER droht schon Überlastung

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der neue Großflughafen ist zu klein. Eine Gegenmaßnahme ist nun beschlossen. Hartmut Mehdorn reicht das nicht.

Die Gepäckausgabe am neuen Hauptstadtflughafen muss schon vor der Inbetriebnahme erweitert werden. Der Aufsichtsrat gab Geld frei, um neben den bestehenden acht Gepäckbändern ein weiteres zu planen, wie Flughafenchef Hartmut Mehdorn in einem Mitarbeiterbrief zum 1. Mai schrieb. Mehdorn selbst hält aber zwei zusätzliche Bänder für nötig.

Der von ihm abgesetzte Technikchef Horst Amann hatte sogar vier weitere Bänder für sinnvoll gehalten. Mehdorn will außerdem den benachbarten alten Flughafen Schönefeld weiter betreiben, um dort einen Teil der Passagiere abzufertigen.

Doch auch dafür verweigerte der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am 11. April die Planungsmittel. Mehdorn warnt deshalb im jüngsten Sachstandsbericht eindringlich vor Engpässen in kritischen Bereichen des Terminals. „Nach derzeitiger Kalkulation wird der Flughafen Berlin Brandenburg mit über 30 Millionen Passagieren eröffnen und wäre damit bereits zur Eröffnung zu klein“, heißt es in dem Bericht.

Konzipiert ist der Bau nämlich für 27 Millionen Fluggäste im Jahr. Prognosen gingen von 35 Millionen Passagieren 2020 aus, betont Mehdorn.„Es ist deshalb davon auszugehen, dass es bereits bei der Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg vor allem bei Check-in, Sicherheitskontrollen sowie Gepäckausgabe zu Engpässen kommen wird.“ Ohne Schönefeld-Alt würden die Betreiber Flugverbindungen ablehnen müssen, warnt Mehdorn. „Dies wäre ein erheblicher Schaden für die Hauptstadtregion und für die Wirtschaftlichkeit des Flughafens.“

Einigen Aufsichtsräten waren Mehdorns Vorstellungen aber noch zu unausgegoren, deshalb verweigerte das Kontrollgremium die geforderten fünf Millionen Euro für eine konkretere Planung. „Diesem Vorschlag steht derzeit auch noch die Planung des Bundes für ein Regierungsterminal im Weg“, schreibt Mehdorn. Der Bund will den Altbau nutzen, bis nebenan ein neues Regierungsterminal gebaut ist. Das lehnt Mehdorn aber ab.

Weder das Geld für die Sanierung des alten Terminals noch für weitere Gepäckbänder ist in den 1,1 Milliarden Euro enthalten, die Mehdorn zusätzlich zu den bislang bewilligten 4,3 Milliarden Euro fordert, um den Flughafen fertigzustellen. Der Aufsichtsrat wird über die Summe voraussichtlich vor der Sommerpause nochmals beraten. „Wir brauchen endlich eine gründliche Analyse aller Fehlplanungen am BER“, verlangte der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Michael Schierack. Der Flughafen-Aufsichtsrat versage offensichtlich auch an dieser Stelle. Daher müsse Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) dafür sorgen, dass der Flughafen zukunftsfest und wirtschaftlich erfolgreich an den Start gehen kann. „Erst wenn dies geschehen ist, darf der Flughafen zusätzliche Mittel erhalten“, sagte Schierack weiter.

Am 1. Mai vor einem Jahr hatte Mehdorn unter dem Schlagwort „Sprint“ die Abteilungsstruktur bei der Flughafengesellschaft teilweise aufgelöst und die maßgeblichen Akteure für den Bau in einem Großraumbüro auf der Baustelle zusammengesetzt. Nun bilanziert er, Riesen-Sprünge seien noch nicht gemacht, es gebe auch noch keinen Grund zum Jubeln. Jedoch: „Wir sehen nicht nur das Licht am Ende des Tunnels, sondern schauen auch schon darüber hinaus.“ Mehdorn will am Ende des Jahres sagen, wann der Flughafen in Betrieb gehen kann. Kaum jemand rechnet noch mit einem Start vor 2016.

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