Hintergrund Gesundheit : Belastung für die Atemwege

Dr. Wolfram Grüning, Chefarzt der Klinik für Pneumologie an den Schweriner Helios Kliniken.
Dr. Wolfram Grüning, Chefarzt der Klinik für Pneumologie an den Schweriner Helios Kliniken.

Wer nach dem Einatmen von Schwefelsäure-Dämpfen Beschwerden hat, sollte seinen Hausarzt aufsuchen

svz.de von
01. März 2016, 17:30 Uhr

Schwefelsäure-Dämpfe reizen die Nase nicht nur durch ihren unangenehmen Geruch. Welchen Einfluss sie auf die Atemwege haben können, erfragte Karin Koslik bei Dr. Wolfram Grüning, Chefarzt der Klinik für Pneumologie an den Schweriner Helios Kliniken.

Herr Dr. Grüning, Anwohner und Passanten der Unglücksstelle in Parchim sind in Sorge, ob ihnen die Schwefelsäure-Dämpfe gesundheitlich schaden können. Zu Recht?

Grüning: Diese Dämpfe können auf die Schleimhäute z.B. der Augen, aber auch auf den Respirationstrakt – also Nase, Rachen, Bronchien und Lunge – reizend wirken. Husten, Luftnot, pfeifende Atemgeräusche oder Brustschmerzen können die Folge sein. Ob und wann Symptome auftreten, ist abhängig von der Dosis. Wenn konzentrierte Schwefelsäure eingeatmet wird, kann das zum völligen Versagen der Atmung führen – in 25 Berufsjahren ist mir ein so schwerer Fall aber nur ein einziges Mal begegnet. Inhalationen kleinerer Mengen Schwefelsäure-Dämpfe begegnen uns in der Lungenheilkunde aber gar nicht so selten – schließlich ist Schwefelsäure eine Grundchemikalie, mit der viele Berufstätige in Kontakt kommen.

Was sollten diejenigen tun, die die beschriebenen Symptome an sich wahrnehmen?

Im Regelfall reicht die Abklärung durch den Hausarzt aus, wenn sich innerhalb von 24 Stunden nach dem Einatmen der Dämpfe Beschwerden zeigen. Zu einer Krankenhauseinweisung wird es nur bei stärkeren Symptomen oder bei Menschen mit Vorerkrankungen – Lungenleiden wie Asthma, aber auch zum Beispiel Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – kommen.

Und was passiert dann mit den Betroffenen?

In der Regel erfolgt die Überwachung zum Ausschluss einer Verschlechterung. Außerdem behandelt man mit Kortison als Inhalation oder intravenös, gibt bronchialerweiternde Medikamente und Sauerstoff. Im Normalfall verschwinden leichte Beschwerden aber nach 24 Stunden dauerhaft wieder. Das beobachten wir auch bei Patienten, die stationär zur Überwachung aufgenommen werden. Generell sollte sich, wer Probleme hat, zwei bis drei Tage lang körperlich schonen. In dieser Zeit nicht zu rauchen, sollte selbstverständlich sein. Und wie bei allen Intoxikationen ist Alkohol unbedingt zu meiden.

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