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16. Dezember 2017 | 17:58 Uhr

Befreiungsschläge, Mutti-Typen und kein Schuft

vom

svz.de von
erstellt am 14.Jan.2012 | 04:00 Uhr

Das Wort Befreiungsschlag, da braucht es nicht einen Philologen, ist unschwer zu zerlegen. Befreiung ist das Schöne, Schlag klingt nicht so nett, muss sitzen und endgültig sein. Zu solch einem Schlag hat einst Angela Merkel gegen Helmut Kohl ausgeholt. Sie wählte dafür einen Zeitungsartikel, in dem sie den Pfälzer, sinngemäß, für verbraucht erklärte. Auf dem Umweg über den erfolglosen Edmund Stoiber bahnte sie sich später den Weg ins Kanzleramt.
Wir wissen, dass Angela Merkel hart sein kann. Unfug, die Frau aus der Uckermarck einen „Mutti“-Typ zu nennen. Sie weiß, was der Anstand gebietet. Sie möchte loyal bleiben. Solange es geht. Ja eben, die Noblesse ist nicht unbegrenzt, wenn es um sie selber geht und die Partei, in der schon lange nicht mehr alle mit ihr glücklich sind.
Sie hat Wulff ins Bellevue abgeordert. Der hat früher, im kleinen Kreis, über sie gelästert. Nein, der Mann, der Transparenz versprochen und das Versprechen bis heute nicht überzeugend eingelöst hat, ist der Kanzlerin gewiss nicht ans Herz gewachsen. Zwar wolle sie, wie in Berlin gewispert wird, zu Wulff halten, um sich selber vor Turbulenzen zu schützen, doch in „Sippenhaft“ werde sie sich nicht nehmen lassen.
So viel ist sicher, der Präsident nervt sie. Und eine wachsende Zahl von CDU-Abgeordneten nervt er zusehends mehr. Wie denkt an diesem Wochenende das Volk der Deutschen über Wulff, nicht die „Bevölkerung“, denn das ist ein Begriff der Statistik. Der Mehrheit unserer Landsleute geht wohl die Geduld aus. Das Volk setzt sich bekanntlich aus sehr verschiedenen sozialen Gruppen zusammen. So sind die Leser von Zeitungen urteilsfähiger als die große Schar der Nur-Fernsehen-Gucker. Die Leser müssen nicht immer mit den Meinungen ihrer Zeitungen übereinstimmen. Es soll nur festgestellt werden: von einer Kampagne der seriösen Medien gegen Wulff kann nicht die Rede sein. Die „Neue Zürcher Zeitung“ hob gerade den Schweizer Zeigefinger: Wulff sei schließlich kein Schuft. Absurd, kein Journalist hier würde so etwas über die Lippen bringen.
Die Presse darf sich nicht überheben. Die Medien sind nicht, was einige Journalisten bisweilen vergessen, die „Vierte Gewalt“ im Staat. Zeitungsleute sind fehlbar. Nur ist es ihre unabweisbare Pflicht gegenüber den Lesern, Mogeleien der uns regierenden und der uns in der Welt repräsentierenden Politiker beim Namen zu nennen.


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