Bayern auf Titelkurs - Bremen, HSV halten Anschluss - Krise auf Schalke

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03. März 2008, 08:45 Uhr

Düsseldorf - Für Ottmar Hitzfeld war es ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu seinem siebten Meistertitel, für seinen Trainerkollegen Mirko Slomka ein weiterer Rückschlag im Kampf um seinen Arbeitsplatz. Im Spitzenduell des 22. Spieltages lagen Freud und Leid dicht beieinander. Beim Titelfavoriten aus München herrschte nach dem 1:0 eitel Sonnenschein, beim Vorjahreszweiten aus Gelsenkirchen großer Katzenjammer. Leicht und locker nahmen die Gäste die schwere Hürde beim „Angstgegner“ und festigten damit ihre Tabellenführung vier Punkte vor Werder Bremen. „Wir sind momentan nah am Optimum“, schwärmte Bayern-Keeper Oliver Kahn.

Außer Bremen (2:0 gegen Borussia Dortmund) hielt nur noch der Hamburger SV den Anschluss nach ganz oben. Mit einem am Ende klaren 4:1 (1:0)-Sieg gegen Eintracht Frankfurt eroberten die Hanseaten am Sonntag Platz drei und zogen an Bayer Leverkusen vorbei. Denn die zuletzt hochgelobte Bayer-Elf patzte gleichzeitig beim VfL Bochum und unterlag dem Revierclub verdient 0:2. Thomas Zdebel (66.) und Christoph Dabrowski (88.) sorgten für die Überraschung.

Anders als in den vergangenen Heimspielen gegen Bremen (1:1) und Hamburg (1:1) nutzten die Bayern am Samstag die Chance zu einem Big Point. Der erste Sieg „auf Schalke“ seit zehn Jahren versetzte Uli Hoeneß in Hochstimmung. Nach langer Zeit kam die Mannschaft mal wieder der Vision nahe, die der Manager bei der teuren Zusammenstellung des Kaders im Sommer hatte. Nicht nur der erste Treffer von Miroslav Klose nach 645 erfolglosen Bundesliga-Minuten ließ das Herz von Hoeneß höherschlagen: „Ich habe alles gesehen, was eine Klasse- Mannschaft ausmacht.“

Davon konnte beim FC Schalke keine Rede sein. Die von Präsident Josef Schnusenberg schon vor der Partie losgetretene Diskussion um den Fußball-Lehrer taugte nicht als Weckruf. Im Gegenteil: Mut- und ideenlos ergab sich der Revierclub in sein Schicksal und trug damit nicht zur Stärkung von Slomka bei. Präsentiert sich das Team am Mittwoch im Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League beim FC Porto ähnlich harmlos, dürfte der Fußball-Lehrer kaum noch zu halten sein. Gleichwohl trat der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies den Spekulationen entgegen, wonach Slomka in Porto vor einem Endspiel steht: „Wir stärken Slomka den Rücken. Auch bei einem Aus in der Champions League am Mittwoch wird er weiter unser Trainer bleiben.“ Am Sonntag glätteten sich auch zwischen Schnusenberg und Slomka die Wogen. Nach einem Vier-Augen-Gespräch mit dem Trainer sprach Schnusenberg von einer „bereinigten Atmosphäre“.

Alle Hoffnungen der Bremer auf eine Niederlage der Bayern erwiesen sich als Wunschdenken. Aber immerhin wahrte der Verfolger mit dem 2:0 über den BVB seine Titelchance. Zwar fehlte Spielmacher Diego, nicht aber die Hilfe von Markus Merk. Der Schiedsrichter übersah eine klare Abseitsstellung beim ersten Treffer des Doppeltorschützen Markus Rosenberg. „Das wäre ja tragisch, wenn ohne Diego gar nichts mehr gehen würde“, kommentierte Werder-Manager Klaus Allofs. Referee Merk bedauerte seine Fehlentscheidung: „Für mich der schlimmste Moment meiner fast 20-jährigen Karriere.“

Anders als Slomka verbuchte dessen Leidensgenosse Michael Frontzeck zumindest einen Teilerfolg. Zwar blieb Arminia Bielefeld beim 1:1 in Rostock auch in der sechsten Partie unter der Regie seines neuen Trainers ohne Sieg, wertete den Punktgewinn aber als ermutigendes Signal. Deshalb erteilte Arminia-Präsident Hans-Hermann Schwick den Spekulationen über eine bevorstehende Entlassung von Frontzeck im Anschluss an das Kellerduell eine Absage: „Gegen Schalke sitzt Michael Frontzeck auf der Bank - und auch danach.“

Wie Frontzeck muss auch Thomas von Heesen weiter auf den ersten Erfolg als Coach warten. Das 1:2 bei Hannover 96 war sein fünftes Pflichtspiel beim 1. FC Nürnberg ohne „Dreier“. Weil Keeper Jaromir Blazek beim ersten Gegentor keine gute Figur machte, heizte von Heesen die Torhüter-Diskussion beim Tabellen-16. an: „Ich denke, den Ball kann man fangen. Ich werde die Frage auf meine Art im Sinne der Sicherheit für die Mannschaft lösen.“

Neue Ziele kann der Karlsruher SC anpeilen. „Es wäre doch Tiefstapelei, wenn wir sagen würden, die bislang ausgegebenen 40 Punkte bleiben unser Ziel“, bekannte Kapitän Mario Eggimann nach dem 3:1 über den VfL Wolfsburg. Der Erfolg gegen die zuvor fünfmal in Serie ungeschlagenen Gäste verhalf dem Aufsteiger auf den fünften Tabellenplatz. Dennoch konnte Trainer Edmund Becker dem verbalen Vorstoß seiner Schützlinge wenig abgewinnen: „Es ist noch zu früh, vom UEFA-Cup zu reden.“

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