Baufirmen laufen Auftraggeber weg

hausmarkt_hinten.jpg

Rückzug der Häuslebauer: Der Wohnungsbau in MV ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren gefallen. Die Baubranche stöhnt: Die Unternehmen reagieren mit Stellenabbau. Binnen eines Jahres verloren zehn Prozent der Bauleute ihren Job.

von
23. Mai 2008, 06:22 Uhr

Schwerin/Rostock - So schlimm war es mehr als ein Jahrzehnt nicht mehr: Gerade 2442 Wohngebäude wurden in MV im vergangenen Jahr errichtet – fast drei Viertel weniger als noch vor zehn Jahren, hat das Statistische Amt in Schwerin jetzt ermittelt. Der Bau von Mehrfamilienhäusern kam fast zum Erliegen: 145 wurden 2007 gebaut, nach 1220 Häusern vor elf Jahren. Angesichts des Bevölkerungsrückgang, der Abwanderung und des Leerstandes an Wohnungen hielten sich die Hausbauer deutlich zurück, sagte Jörg Schnell, Geschäftsführer des Bauverbandes MV, gestern in Schwerin. 2007 sanken die Auftragseingänge im Wohnungsbau gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozent.

Flaute selbst in den Bauämtern: In den Verwaltungsstuben waren mit insgesamt 3602 Baugenehmigungen nur noch über etwa ein Drittel so viele Anträge zu entscheiden wie 1997. Vor allem die Mehrwertsteuererhöhung und der Wegfall der Eigenheimzulage habe zu deutlichen Einbußen geführt, sagte Schnell und forderte Investitionsanreize für Familien in so genannten Schwellenhaushalten.

Diese Familien fehlten als Auftraggeber, fügte Ilona Klein, Sprecherin des Zentralverbandes des Baugewerbes hinzu. Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft rechnet damit, dass 2008 bundesweit 60 000 Einfamilienhäuser weniger gebaut würden. Damit stünden acht Milliarden Euro Bauinvestitionen und 100 000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Regelrecht eingebrochen ist den Statistikern zufolge der Wohnungsbau u. a. in den Landkreisen Landkreisen Güstrow, Ludwigslust und Demmin. Dort sank die Zahl der neu gebauten Gebäude in den letzten fünf Jahren um fast zwei Drittel und mehr.

Die Auftragsflaute bringt die 1700 Baufirmen in MV mit 15 500 Beschäftigten in Bedrängnis. Die Branche kopple sich von der Erholung der Baukonjunktur in Deutschland ab, teilte der Verband mit. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres brachen die Umsätze um ein Fünftel ein, während die Baubetriebe in anderen Ländern Zuwächse meldeten.

Vor allem im öffentlichen Hochbau kamen fast 80 Prozent weniger Aufträge rein als noch ein Jahr zuvor. Schnell forderte die öffentlichen Auftraggeber angesichts steigender Steuereinahmen auf, Investitionen auszulösen. Arbeit gebe es genug. Allein im Straßenbau fehlten Land, Kreisen und Kommunen in MV 40 Millionen Euro im Jahr.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen