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25. September 2017 | 17:23 Uhr

Barth droht Linksjugend mit Klage

vom

svz.de von
erstellt am 04.Nov.2011 | 08:02 Uhr

Schwerin/Berlin | "Völlig humorloser Komiker hat kein Verständnis von Meinungsfreiheit", betitelt die Nachwuchsorganisation der Partei Die Linke eine Pressemitteilung. Der "Komiker" ist nicht irgendwer, sondern Mario Barth, seit seinem Auftritt vor 70 000 Zuschauern im Olympiastadion absoluter Weltrekordler im Live-Witzereißen.

Witzig ist der Streit zwischen Barth und der Linksjugend solid MV offenbar nicht mehr: Die Linksjugend hatte auf ihrer Homepage ein Plakatmotiv eingestellt und auch als Aufkleber drucken lassen, das Mario Barth zeigte und dazu den Kommentar "Sexistische Rollenklischees haben so einen Barth". Weder Barth noch seine Anwälte wollten über das Plakat lachen: Mit Datum 2. November trudelte bei Solid MV das Schreiben einer Berliner Rechtsanwaltskanzlei ein. Die Linksjugend solle sich verpflichten, "es bei der Meidung einer für jeden Fall der Zuwiderhandlung von Herrn Mario Barth zu bestimmenden Vertragsstrafe" zu unterlassen, das Plakatmotiv weiter zu verbreiten. Barth werde von der Linksjugend politisch missbraucht. "Unser Mandant muss es nicht dulden, dass mit seinem Antlitz für eine politische Organisation geworben wird, ohne dass er damit einverstanden ist", begründete sein Berliner Anwalt Christian Schertz in dem Brief.

Die Linksjugend will es auf einen Prozess ankommen lassen. Der vierköpfige Landessprecherrat habe beschlossen, die geforderte Unterlassungserklärung nicht abzugeben, sagte Linksjugend-Pressesprecher Erik Butter auf Nachfrage unserer Zeitung: "Wir werden ebenfalls einen Anwalt beauftragen und die Sache notfalls vor Gericht austragen." Die Linksjugend sieht sich im Recht. Ein Geschäftsinteresse verfolge man als politischer Jugendverband gar nicht, vielmehr solle das Plakat über "Herrschaftsmechanismen dieser männerdominierten Gesellschaft" aufklären, sagt Sprecherrats-Mitglied Susan Pedersen. Das Plakat sei "eine Meinungsäußerung". Auch erwecke es durch die deutliche Kritik an Barth nicht den Eindruck, dass dieser sich mit der Linksjugend identifiziere. Susan Pedersen betont: Die Verwendung des Porträtfotos und das Plakat seien durch die vom Grundgesetz garantierte Meinungs- und Pressefreiheit geschützt.

Die von Mario Barth bevollmächtigte Anwaltskanzlei - die gestern ebenso wie das Management des Künstlers nicht auf unsere Anfragen reagierte - hatte bereits in dem Schreiben "gerichtliche Schritte" angekündigt. Dem sieht die Linksjugend gelassen entgegen. "Der Ball liegt jetzt wieder bei Herrn Barth", sagte Pressesprecher Erik Butter. Einem Prozess sehe man optimistisch entgegen. Schließlich gebe es Präzedenzfälle: Oskar Lafontaine beispielsweise habe ein ähnlich gelagertes Verfahren gegen die Sixt AG verloren, so Butter.

Der Autovermieter Sixt hatte den heutigen Linke-Politiker nach seinem Rücktritt als SPD-Chef und Minister im Jahr 1999 in einer Anzeigenkampagne veralbert. Lafontaine klagte und das Verfahren ging durch mehrere Instanzen, bis der Bundesgerichtshof schließlich für Sixt entschied - nach rund sieben Jahren Verfahrensdauer.

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