Banken rufen nach dem Staat

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18. März 2008, 09:54 Uhr

Berlin - Der Bundesfinanzminister, sonst Optimist, gebrauchte bemerkenswerte Worte: „Wir haben es mit einer der größten Finanzkrisen der letzten Jahrzehnte zu tun“, so gestern Peer Steinbrück (SPD). Zuvor hatte auch Deutschlands Top-Banker, Josef Ackermann von der Deutschen Bank, denkwürdige Worte gefunden: „Ich glaube nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Märkte.“

Der Top-Kapitalist als Bittsteller um mehr staatliche Kontrolle der Finanzmärkte. Die Turbulenzen in der Branche führen zunehmend zu Nervosität auch in Deutschland. Vorsorglich werden Forderungen nach finanziellen Gegenmaßnahmen des Staates laut.

Finanzministerium fordert mehr Transparenz

Tatsächlich kann die aktuelle Mixtur aus Immobilien- und Bankenkrise, starkem Euro, teurem Öl und Rohstoffen für Exportweltmeister Deutschland bedrohlich werden. Die Exportdynamik werde sich abschwächen, warnt BDI-Präsident Jürgen Thumann.

Was tun? Um die Turbulenzen zu beruhigen, setzt die Regierung auf ein internationales Vorgehen der G-7-Staaten. Mehr Transparenz bei Hedgefonds soll helfen, unliebsame Überraschungen zu verhindern. Das Platzen der US-Immobilienblase wirkt so fatal, weil die gebündelten und weiter verkauften Kreditforderungen sich weltweit bei vielen Banken im Portfolio fanden. Nun fordert das Finanzministerium neben mehr Transparenz auch eine höhere Eigenkapitalunterlegung bei den Banken und mehr Liquidität.

Derzeit wird die Finanzkrise in einer Art selbsterfüllender Prophezeiung verstärkt: Weil die Banken einander nicht mehr trauen, gewähren sie sich keine Kredite, was einzelne Institute dann tatsächlich in Schwierigkeiten bringt.

Als probates Mittel gegen einen Abschwung empfiehlt die Opposition Steuersenkungen, mit denen auch die CSU liebäugelt. „Wir benötigen ein internationales Investitionsprogramm für Energie- und Rohstoffsicherheit, ausgehend von den G-8-Staaten“, meint dagegen Michael Müller (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion.

Im Bundesfinanzministerium bleibt man zurückhaltend gegenüber Rufen nach finanziellem Engagement des Staates zur Konjunkturstützung. Gestern erholte sich der Dax erst einmal deutlich. Das Auf und Ab der Börsen geht weiter.

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