Bald schlägt die Turmuhr

Ein großer Moment für die Wariner – die Glockenspeise. Die 1340 Grad heiße Bronze fließt in die Form. In Lauchhammer wurde die bronzene Schale für den Stundenschlag der Wariner Kirchturmuhr gegossen. Foto: Kirchgemeinde
Ein großer Moment für die Wariner – die Glockenspeise. Die 1340 Grad heiße Bronze fließt in die Form. In Lauchhammer wurde die bronzene Schale für den Stundenschlag der Wariner Kirchturmuhr gegossen. Foto: Kirchgemeinde

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28. Januar 2008, 07:40 Uhr

Warin - Der Schlag der Uhr sollte weit zu hören sein. Das dachten sich im 19. Jahrhundert die Erbauer der Wariner Stiftskirche und montierten deshalb eigens eine Vorrichtung außerhalb der Kirche.

Schall breitete sich von außen besser aus
Hier schlug seitdem zu jeder halben Stunde ein Klöppel auf eine metallene Halbschale in Form in überdimensionierten Suppenschüssel. Da sie am Giebel angebracht war, konnte sich der Schall besser ausbreiten als der von den Glocken im Kirchturm.

Ein Grund, warum später auch einige andere Kirchen zusätzlich zu ihrem Geläut im Turm außen eine Schalenglocke für den Stundenschlag montierten.

Da die „Suppenschüssel“ an der Wariner Kirche schon vom Architekten erdacht war, sollte sie bei der laufenden Sanierung des Turms unbedingt erhalten bleiben, erklärte Pastor Andreas Kunert.

Die alte Schale von 1875 war aus Eisenguss, inzwischen verrostet und hatte Risse, so dass sie 1994 außer Betrieb genommen werden musste. Diese alte Eisengussschale findet später in einer kleinen Ausstellung im Turm ihren Platz, so Kunert.

Derzeit verkündet die Wariner Kirche nur dreimal am Tag lautstark die Uhrzeit – um 7, 12 und um 18 Uhr schlägt die drittgrößte Bronzeglocke im Turm.

Die Kirchgemeinde entschied sich, die neue Halbschalenglocke aus Bronze anfertigen zu lassen, da dieses Material wesentlich beständiger ist.

Mit dem Fertigen der Halbschale beauftragte die Wariner die Kunstgießerei Rincker Lauchhammer, die schon die vier neuen Glocken im Kirchturm der Kleinstadt erschaffen hatte.

Historischer Moment der Glockenspeise

Den historischen Augenblick des Gusses erlebten acht Mitglieder der Kirchgemeinde aus Warin und Jesendorf im 400 Kilometer entfernten Lauchhammer mit.

Darunter war auch Manfred Kammel, der in den Jahren 2001 und 2002 zusammen mit anderen Mitgliedern des Kirchenbauvereins die Uhr restauriert hatte, deren Stunden- und Halbstundenschlag nun die Glocke wieder anzeigen soll.
Die Spezialisten aus Lauchhammer hatten von der originalen Wariner Schalenglocke eine Form abgenommen und diese dann aus speziellem Sand geformt.

Dann folgte der große Moment - die so genannte Glockenspeise. Die Bronze, zu 78 Prozent aus Kupfer und zu 22 Prozent aus Zinn bestehend, floss mit einer Temperatur von 1340 Grad in die Form. Schon in wenigen Tagen ist die Glockenschale ausgehärtet und kann dann nach Warin gebracht werden, wo sie am Giebel des Kirchturms montiert wird.

Bevor mit dem Ende der Sanierungsarbeiten am Kirchturm das Gerüst fällt, gibt es noch einmal eine Gelegenheit für Interessenten, sich die neue Schalenglocke oben aus der Nähe anzusehen, kündigte Kunert an.

Durch den milden Winter kommen die Arbeiten am Turm gut voran, so der Pastor. Ziel ist, den sanierten Wariner Kirchturm am 22. Juni feierlich einzuweihen.

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