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eingeschlafene Bahnlinie : Bahnplanern läuft die Zeit davon

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Fast jeden Tag spielt sich das gleiche Drama ab: Der Regionalzug aus Stettin – ein kleiner Dieseltriebwagen – stoppt am Angermünder Bahnhof. Reisende aus Polen hetzen mit Kinderwagen und Koffern, um den Anschluss nach Berlin zu bekommen. Häufig ist der aber gerade weg.

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erstellt am 07.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Fast jeden Tag spielt sich das gleiche Drama ab: Der Regionalzug aus Stettin – ein kleiner Dieseltriebwagen – stoppt am Angermünder Bahnhof. Reisende aus Polen hetzen vom Sackbahnsteig Nummer 4 mit Kinderwagen und Koffern durch einen Tunnel, um den Anschluss nach Berlin zu bekommen. Häufig ist der aber gerade weg. Wer pünktlich zum Flughafen muss, schäumt vor Ärger. Deshalb nutzen die meisten Flugpassagiere aus Stettin die schnelleren Sammeltaxis, die über die Autobahn jagen.

„Uns liegt sehr viel daran, dass die Stettiner schnell den Berliner Flughafen erreichen“, so Krzysztof Soska, stellvertretender Stadtpräsident. Angestrebt wird deshalb von deutscher und polnischer Seite ein kompletter Ausbau der eingeschlafenen Bahnlinie. Denn wer heute von Stettin nach Berlin auf der Schiene fährt, muss mindestens zwei Stunden einplanen und in Angermünde auch noch umsteigen. Dabei nehmen die Fahrgastzahlen sogar zu. Einer Studie im Auftrag des VBB zufolge könnte die Bahn die täglich per Sammeltaxi reisenden 700 Fahrgäste aufnehmen, wenn sie schneller wäre als der Kleinbus.

Doch am überfälligen Ausbau der ab Passow (Uckermark) nur noch eingleisigen und nicht elektrifizierten Strecke wird seit mittlerweile zwölf Jahren geplant. Inzwischen kam unter schwierigsten Bedingungen ein Staatsvertrag zustande, der die Elektrifizierung bis 2020 vorsieht. Gleichzeitig soll die Verbindung zwischen Berlin und Stettin auf Tempo 160 erweitert werden. Bislang dürfen die Züge höchstens 120 fahren. Bei Passow rumpelt die Bahn sogar mit Tempo 50 über einen im Moorboden absackenden Damm.

Doch den Planern läuft die Zeit davon. Während auf polnischer Seite der Komplettumbau des Stettiner Hauptbahnhofs bereits auf dem Reißbrett liegt, streiten sich deutsche und polnische Seite über die Sicherungstechnik, über Fahrzeuge und Stromspannungen. Inzwischen gab es Unstimmigkeiten, ob die Strecke zwischen Berlin und Angermünde überhaupt auf 160 Stundenkilometer ausgebaut wird. Ist das nicht der Fall, würde die angepeilte Reisezeit von 80 Minuten kaum zu halten sein.

„Es dauert alles viel zu lange“, so Jürgen Murach von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin auf einer Infrastrukturkonferenz der Euroregion Pomerania in Schwedt. Er verlangt eine bessere Zusammenarbeit der Eisenbahnämter, der Verkehrsunternehmen und des Bundesverkehrsministeriums. Man müsse sich schon jetzt auf technische Details verständigen, um die Bestellungen für die teuren Mehrsystemlokomotiven auszulösen. Seinen Angaben zufolge wird es bis 2020 zwar nur einen eingleisigen Ausbau der Bahnlinie ab Passow geben, jedoch sei eine Möglichkeit für das zweite Gleis bereits eingeplant. Die polnische Seite hat bei der Planung der neuen Verkehrsanbindungen zusätzlich das europäische Netz im Blick. „Wir müssen den Korridor Berlin-Stettin viel breiter sehen“, so Krzysztof Kulesza, Berater des polnischen Infrastrukturministers. „Es geht um durchgehende Verbindungen nach Danzig, Dresden und Prag.“

Vertreter deutscher und polnischer Behörden plädieren jetzt für eine bessere Abstimmung der zuständigen Ministerien in technischen Fragen. Unternehmer bescheinigen der Bahn eine große Zukunft beim Transport von Gütern zum Stettiner Hafen.

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