Bad Doberan: Galopprennbahn vor dem Aus

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23. Januar 2008, 03:05 Uhr

Unruhe auf dem ältesten deutschen Geläuf: Der Verein habe die „Reißleine ziehen“ müssen, um eine „grundsätzliche Sanierung“ einzuleiten, erklärte Vereinspräsident Harald Morgenstern gestern. „Wir haben uns eine Therapie für eine 100-prozentige Gesundung verschrieben. Wir können nicht ständig nur mit Schmerztabletten leben.“ Der Verein war bereits 2001 mit 200 000 Euro in die Schuldenfalle geraten. Jetzt schulde die bisherige Betreibergesellschaft dem Verein 25 000 Euro Pacht, so Morgenstern.

Das Image der ältesten deutschen Galopprennbahn droht durch einen Streit um mehr Einfluss und mehr Geld zwischen Verein und Betreiber Schaden nehmen. Beim letzten fünfjährigen Betreibervertrag seien Markenrechte und Sponsorenwerbung zu einem Festpreis verpachtet worden, erklärte Morgenstern. Das wolle der Verein auf eine neue Grundlage stellen. Bei Nachverhandlungen sei die Betreibergesellschaft aber „uneinsichtig gewesen“. Keineswegs, wehrt Betreiber Sven Vierk von der Ostsee-Rennbahn GmbH die Kritik ab. Vielmehr habe der Verein, der jährlich 200 000 Euro aus den Vermarktungsrechten erhalte, selbst offene Rechnungen vom letzten Rennen noch nicht bezahlt und Gespräche abgesagt.

Die Querelen bringen indes den Zeitplan für das diesjährige Ostsee-Meeting zwischen dem 31. Juni und 3. August in Gefahr. „Das Meeting findet statt“, versicherte Vereinschef Morgenstern dennoch. Das Direktorium für Vollblutzucht in Köln habe eine Lizenz für das Rennen in Aussicht gestellt, teilte der vom Rostocker Amtsgericht eingesetzte Sachverständige Tobias Schulze mit. Das Meeting sei eine der wichtigsten Veranstaltungen in MV. „Alle sind sich einig, dass das Rennen stattfinden muss.“ Bis Februar wolle Schulze ein Gutachten vorlegen, dass über die Eröffnung eines Insolvenzverfahren entscheide.
Die Sponsoren halten noch zur Stange. Eine Entscheidung über das Engagement der Lübzer Brauerei sei zwar nicht gefallen, teilte Udo Dewies, Sprecher des Carlsberg-Konzers mit. Entsprechende Gespräche stünden aber an. Auch die Ostseesparkasse Rostock bleibt dabei: „Wenn das Rennen auf eine neue Basis gestellt wird, sind wir dabei“, erklärte Ospa-Kommunikationschef Dr. Rainer Gehrke.

Die 1822 geründete Rennbahn war Anfang der 90er-Jahre wieder eröffnet worden und zieht seitdem jährlich bis zu 30.000 Besucher und die bekanntesten Jockey an. An den vier Renntagen werden Wettumsätze von 500.000 Euro erreicht.

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