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19. November 2017 | 09:59 Uhr

Hintergrund : Azubi-Förderung ins Leere

vom
Aus der Onlineredaktion

Ausbildungsprogramm für EU-Jugendliche entpuppt sich als Schaufensterprojekt

Hinter der freudigen Stimmung gestern in der IHK Schwerin versteckt sich ein ernstes Thema. Der Süden Europas kämpft noch immer mit einer hohen Jugendarbeitslosigkeit. Von der „verlorenen Generation“ sprach IHK-Präsident Hans Thon gestern in seiner Rede.

Aus diesem Grund startete die Bundesrepublik 2013 dasSonderprogramm „MobiPro-EU“. Ohne die Hilfe starker EU-Partner, versuchte die Bundesregierung im Alleingang erwerbslosen Jugendlichen einen „Premium-Ausbildungsplatz“ zu vermitteln.

Von Beginn an erweckte das Programm den Eindruck eines Schaufensterprojekts. Bereits ein Jahr später zeigte sich, dass die Regierung die Nachfrage völlig unterschätzte. Statt der erwarteten „wenigen Hundert“, beantragten bis dato 6200 Jugendliche die Förderung. Warum ein Programm, das angetreten war, um die hohe Jugendarbeitslosigkeit im Süden zu bekämpfen, ursprünglich mit solch geringen Teilnehmerzahlen rechnete, ließ die damalige Schirmherrin Ursula von der Leyen offen.

Bereits 2014 stieß der Förderhaushalt von 139 Millionen Euro an seine Grenzen. Die Agentur stoppte im Februar die Antragsannahme für das restliche Jahr. Trotzdem freuten sich vor allem die Gastronomen und Wachfirmen über die günstigen Arbeitskräfte aus dem Süden. In Westmecklenburg begannen bis heute über 500 junge Leute mit Hilfe von MobiPro-EU ihre Ausbildung. Nach drei Jahren ist Schluss.

Langfristige Effekte sind durch das Projekt kaum zu erwarten, weder die Senkung der Jugendarbeitslosigkeit dort, noch die Bekämpfung des Fachkräftemangels hier. Ein möglicher Grund sind die hohen Absprungraten der Azubis. Im Jahr 2013 erreichte gerade mal die Hälfte der Jugendlichen die erste Abschlussprüfung. Im Jahrgang 2015 verabschiedete sich ein Drittel. Ob diese Abschlusszahlen den finanziellen Aufwand rechtfertigen, ist fraglich. Besonders die mangelnden Deutschkenntnisse führten zu Beginn des Projekts zu erheblichen Problemen bei der Integration. Auch Lothar Michael, Vize-Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Schwerin, gesteht: „Für das Ziel, die Massenarbeitslosigkeit in Südeuropa zu bekämpfen, war MobiPro nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.“

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