zur Navigation springen
Neue Artikel

21. November 2017 | 22:32 Uhr

Autofahrer abkassiert

vom

svz.de von
erstellt am 06.Apr.2012 | 07:48 Uhr

Berlin | Autofahrer in Deutschland müssen an der Tankstelle mehr bezahlen, als es einer Studie zufolge durch die hohen Ölpreise gerechtfertigt wäre. Das ist das Ergebnis einer aktualisierten Berechnung des Energie-Experten Steffen Bukold im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion.

Die Belastung sei allein im März rund 167 Millionen Euro zu hoch gewesen, errechnete Bukold. Zuvor waren es seit Ende November bis zu knapp 100 Millionen Euro pro Monat zu viel. Nach der Studie sind die zusätzlichen Gewinne beim Superbenzin nicht primär an den Tankstellen angefallen, sondern in den Raffinerien, die sich überwiegend in den Händen der fünf Mineralölkonzerne befinden. Die Benzinpreise verharrten am Donnerstag auf einem Allzeithoch.

Zwischen Super E10 und Superbenzin gab es wie am Vortag wegen geringerer Ethanolkosten eine Spanne von vier statt zuletzt drei Cent. Super kostete nach Aral-Angaben knapp 1,72 Euro je Liter, E10 knapp 1,68 Euro. Diesel kostete am Mittag im Schnitt fast 1,54 Euro.

Der Abstand zwischen Einkaufs- und Verkaufspreisen sei zuletzt kontinuierlich gewachsen, sagte Energiefachmann Bukold. Von November bis März waren die Preise für Superbenzin um 11,3 Cent je Liter gestiegen. Davon ließen sich nur 6,6 Cent durch höhere Ölpreise oder einen veränderten Euro/Dollar-Kurs erklären. Die restlichen 4,7 Cent seien das Ergebnis einer Margenausweitung der Mineralölkonzerne.

Zuletzt sei der Euro minimal stärker geworden, und die Ölpreise seien leicht gefallen. Trotzdem seien die Spritpreise um weitere 2 Cent gestiegen, wodurch die Bruttomarge bei Super auf 19,49 Cent je Liter gestiegen sei. "Das ist ein ungewöhnlich steiler Anstieg der Marge um 69 Prozent in nur vier Monaten", so Bukold. Dadurch gebe es höhere Gewinne. "Über den Kostenanstieg hinaus fand also eine Umverteilung zu Lasten der Tankstellenkunden statt."

Der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes, Klaus Picard, sprach von "Webfehlern" in der Studie. "Es wird nur die Bruttomarge betrachtet und diese gleich Gewinn gesetzt." Erst wenn nach Abzug der Kosten noch etwas übrig bleibe, sei ein Gewinn erwirtschaftet worden, so Picard. Zwar steige die Bruttomarge für Benzin, für andere Produkte wie Diesel und Heizöl falle sie aber. Zu den Kosten seien zudem nicht alleine die Verarbeitungskosten in den Raffinerien zu zählen, sondern auch hohe Ausgaben der Unternehmen für Instandhaltung und Umweltauflagen.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn betonte hingegen: "Die Mineralölkonzerne bereichern sich wie jedes Jahr vor Ostern dreist auf Kosten der Verbraucher." Einmal mehr zeige sich, dass es auf dem Benzinmarkt zu wenig Wettbewerb gebe, daher sei der jüngste Vorstoß des Kartellamtes notwendig. "Anstatt den Monopolisten noch Geld aus der Pendlerpauschale hinterher zu werfen, muss die Bundesregierung endlich ihre Strategie ,Weg vom Öl’ vorstellen", forderte Höhn. Picard hielt dagegen, dass die Raffinerien lange Zeit Verluste gemacht hätten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen