Ausländische Ärzte gern gesehen

Mateusz Muszweski aus Polen ist froh, eine Stelle in Deutschland bekommen zu haben. Foto: Manuela Rechzygier
Mateusz Muszweski aus Polen ist froh, eine Stelle in Deutschland bekommen zu haben. Foto: Manuela Rechzygier

Im Klinikum in Plau am See wie auch an anderen Standorten in MV unterstützen ausländische Ärzte beim Klinikalltag ihre deutschen Kollegen, wie bei der Behandlungen und der Pflege von Patienten.

svz.de von
25. Januar 2008, 04:05 Uhr

Plau am See - Mateusz Muszewski ist Assistenzarzt im Plauer Klinikum Medi Clin seit bereits elf Monaten. Hier macht er seinen ersten Teil der Ausbildung zum Facharzt für Inneres. Rund 500 Kilometer Entfernung zu seiner Familie nahm er mit dieser Entscheidung auf sich, obwohl die Situation für Ärzte in Polen besser geworden ist. „Mit der Zeit könnte man dort auch etwas erreichen. Aber ich wollte gleich nach dem Staatsexamen arbeiten, nicht fünf Monate warten“, sagt der 27-jährige Breslauer in gutem Deutsch mit Akzent.

Von 65 Ärzten und Assistenzärzten im Plauer Klinikum kommen rund die Hälfte aus dem Ausland – vor allem aus Polen und Syrien. „Wir bekommen hier in Mecklenburg einen Ärztemangel zu spüren. Es ist schwierig, deutsche Mediziner zu finden, obgleich die Ausbildung gut ist“, sagt Manuela Homuth von der Klinikleitung. „Die Professoren sind über die Grenzen hinaus bekannt.“
In Parchim ist die Situation derzeit entspannt. „Vor einem Jahr sah es hingegen ziemlich eng aus“, sagt Dr. Rüdiger Wenzel. Jetzt arbeiten rund 15 Prozent ausländische Kollegen im Krankenhaus.

Mateusz Muszewski hatte in Deutschland gleich vier Stellen zur Auswahl, sich dann aber für die Klinik in Plau am See entschieden. „Es ist ein schöner Ort. Ein toller Platz, um Kinder groß zu ziehen“, sagt der Vater einer einjährigen Tochter. Seine kleine Familie sei ein Grund gewesen für die Suche nach einem Job in Deutschland. Zum anderen hätte er in Polen einen zweiten Job neben einer Vollzeitstelle als Assistenzarzt gebraucht, um seine Familie zu ernähren.

In der KMG (Klinik Management Gesellschaft) - Klinik in Plau weiß man auch von dem Mangel an deutschen Ärzten in Mecklenburg. Aber hier ist die Zahl der ausländischen Ärzte noch gering. Von den sieben Kardiologen beispielsweise kommt einer aus Österreich. „Obwohl in Großstädten Ärzte zum Teil ohne Job sind, sucht fast jede Klinik in Mecklenburg Mediziner“, sagt Dr. Hartmut Brauer, Chefarzt der Kardiologie.
Dr. Hans-Heinrich Uhlmann hingegen denkt, dass gerade Ballungszentren für junge Absolventen auf Grund ihrer Lebensqualität Vorteile gegenüber dem ländlichen Raum haben. „Aber das ist ein bundesweites Problem“, so der Geschäftsführer der Medi Clin Crivitz. Derzeit könne man hier den Bedarf an Fachärzten jedoch abdecken.

Hartmut Brauer sieht auch Schwierigkeiten bei ausländischen Ärzten bezüglich der Verständigung. „Patienten-Gespräche zu führen, ist kein Problem, alle sind sehr tolerant“, beschreibt Mateusz Muszewski seine Erfahrungen. Von 300 Patienten sei nur einer unzufrieden gewesen, so der junge Pole. Für eine Doktorarbeit aber reichten seine Kenntnisse noch nicht, schätzt der Neu-Plauer. Drei Jahre ist er nun hier beschäftigt, erhält seine Erstspezialisierung in die Allgemeinmedizin, als Internist und als Gastroenterologe. Danach wird er sich eine neue Stelle suchen müssen, um seine Fachausbildung, die rund fünf bis sechs Jahre dauert, beenden zu können.

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