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20. November 2017 | 20:20 Uhr

Kommentar : Augen zu

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Europa muss diesen Montag fürchten. Der Versuch, die Menschen in den griechischen Auffanglagern per Eilverfahren in solche mit und ohne Asylperspektive zu sortieren, ist mehr als nur ein bürokratischer Akt.

Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass die Rückführung ohne schwer zu ertragende Bilder beginnen kann. In den Regierungshauptstädten scheint man das „Augen zu und durch“-Prinzip zu praktizieren: Die ersten Tage werden schlimm, danach könnte es laufen – und wirken. Doch die Bilder dürften sich eingraben in das europäische Bewusstsein und die Geschichte der Gemeinschaft, die ihre Solidarität eingebüßt hat und sich nun zur Festung macht. Das ist nicht nur ihre Schuld: Die Flüchtlinge sind zum großen Teil Opfer krimineller Menschenhändler geworden, die ihre Not kaltblütig ausgenutzt haben. Dass man dieser Form der organisierten Kriminalität nicht anders begegnen konnte, als deren Opfer aus dem Meer zu holen, um sie unter neuen Leiden zurückzuschicken, ist der eigentliche Skandal. Und er macht die Türkei ebenso wie die afrikanischen Mittelmeer-Anrainer zu Mitschuldigen. Sie waren es, die die EU zwangen, die Festung sturmsicherer zu machen.

Doch werden die 28 EU-Staaten ihr jeweiliges Kontingent wirklich erfüllen? Nicht nur Polen hatte angedeutet, niemanden mehr reinzulassen. Die Erfüllung des Versprechens jedoch ist die Nagelprobe des Brüsseler EU-Türkei-Abkommens, denn man wollte damit ja die bisher ungelösten Problemen beseitigen: Die illegalen Immigranten sollten von den legalen getrennt werden.

Wenn Europa glaubwürdig bleiben will, dürfen an diesem Montag nicht nur Schiffe von Griechenland Richtung Bosporus ablegen, es müssen dann auch Flugzeuge von der Türkei nach Europa starten.

Detlef Drewes

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