Auf Hightech zu Gold

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28. August 2012, 10:01 Uhr

Wenn ab übermorgen in London wieder um Medaillen gekämpft wird, dann entscheiden nicht nur Kopf und Muskeln über Sieg oder Niederlage. Beim Rollstuhl-Basketball oder -Rugby, beim Sprint und im Weitsprung müssen auch Rollstühle und Prothesen viel aushalten. Damit das Material die Paralympics-Athleten nicht bremst, entwickelt ein Medizintechnik-Hersteller aus dem niedersächsischen Duderstadt die Sportgeräte ständig weiter und hilft vor Ort - rund um die Uhr. Das Unternehmen ist weltweit aufgestellt.

"1988 in Seoul waren wir zum ersten Mal dabei, mit vier Technikern", erzählt Christin Gunkel, die das Paralympics-Projekt für die Firma Ottobock koordiniert. Zu den Spielen nach London sollen 78 Techniker plus Organisationsteam reisen, neben einer Hauptwerkstatt am Olympischen Dorf gibt es auch mobile Werkstattfahrzeuge. "Notfalls arbeiten die auch mal eine Nacht durch", sagt Gunkel. Während der Spiele in Peking 2008 seien rund 2000 Reparaturaufträge eingegangen.

Als der Orthopädiemechaniker Otto Bock 1919 in Berlin sein Unternehmen gründete, wollte er die Verwundeten des 1. Weltkriegs kostengünstig mit Prothesen versorgen. Knapp ein Jahrhundert später leitet sein Enkel Hans Georg Näder die Firma mit Standorten auf allen Kontinenten und zählt Sprintweltmeister wie Heinrich Popow zu seinen Kunden. 2004 in Athen und vor vier Jahren in Peking sammelte Popow schon Bronze- und Silbermedaillen, 2011 wurde er Weltmeister im Sprint und im Weitsprung. "Fehlt nur noch mein großer Traum: Gold bei den Paralympics", sagt der 29-Jährige.

"Wir sind sehr stolz, dass die Zusammenarbeit mit den Sportlern immer auch in die Produktentwicklung einfließt, weil die ein sehr gutes Körpergefühl haben", sagt Paralympics-Koordinatorin Gunkel. Stolz wäre man in Duderstadt wohl auch, wenn Popow zu Gold sprintet. Profis wie er laufen auf in Handarbeit angefertigten Carbon-Federn. Carbon ist leicht und belastbar. "400 Kilo muss die Feder schon aushalten, wenn ein 100-Kilo-Sprinter richtig loslegt", sagt Ottobock-Carbon-Experte Maximilian Segl. Nach etwa sechs Läufen muss ein Profisprinter die Feder auswechseln wie ein Tennisspieler den Schläger. Ein weiterer Vorteil: Carbon bricht bei Überbelastung nicht durch wie Metall, es reißen nur einzelne Fasern.

Etwa 150 Sportprothesen wie die für Popow entstehen in der Werkstatt in Duderstadt pro Jahr - von den "normalen" Fußprothesen, die gleich nebenan lagern, werden im gleichen Zeitraum 150 000 verkauft.

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