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20. Oktober 2017 | 09:18 Uhr

Auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt

vom

svz.de von
erstellt am 19.Dez.2012 | 06:27 Uhr

Rostock | Michel darf im Moment nicht aufstehen - der Siebenjährige aus Graal Müritz hat Leukämie und muss während der Chemo im Bett bleiben. Trotzdem hat er ein Bild vom Schweriner Schloss gezeichnet, dass er Manuela Schwesig gestern bei ihrem Besuch auf der Kinderkrebsstation der Rostocker Uniklinik in die Hand drückt. Als jemand aus dem Hintergrund dem Jungen erklären will, dass es die Sozialministerin ist, die da auf seiner Bettkante sitzt, hakt diese schnell ein: "Ich bin auch die Kinderministerin und muss mich darum kümmern, dass es allen Kindern im Land gut geht", erklärt sie Michel. Wenn er wieder gesund sei und wieder einmal in die Landeshauptstadt käme, würde sie ihm gerne zeigen, wo sie arbeite - nämlich ganz in der Nähe des Schlosses, das Michel für sie gemalt hat.

Später, im kleinen Kreis, erzählt die Schirmherrin unserer Spendenaktion von ihrem ersten Besuch auf der Kinderkrebsstation. Selbst das Datum hat sie noch parat: den 28. Juli 2011. Damals habe sie mit Eltern gesprochen, deren Kinder heute schon nicht mehr leben würden. "Ich weine eigentlich nur bei Hochzeiten, Beerdigungen und einigen Filmen…", umschreibt die SPD-Politikerin, die selbst Mutter ist, was angesichts dessen in ihr vorgeht.

Auch diesmal sitzen Eltern mit am Tisch, die ihre Kinder verloren haben. Ihre Schicksale haben wir in unserer Weihnachtsspendenaktion geschildert, weil sie klar machen, wie wichtig Unterstützung ist, wenn ein Kind in seinem letzten Lebensabschnitt zu Hause betreut wird. "Über unseren Sohn und seinen Tod zu sprechen, war nicht leicht. Aber es ist jetzt ein gutes Gefühl, dass so viele Leser an unserem Schicksal Anteil genommen haben", sagt Susann Schubert, deren Sohn Max nur 22 Monate alt wurde.

"Ich glaube, Ihre Geschichten haben viele auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt", meint die Ministerin. Ihr selbst hätten sie einmal mehr klar gemacht, wie wichtig ein ambulantes Palliativteam für Kinder auch hier im Nordosten ist. Letztlich würden darüber zwar allein die Kostenträger entscheiden. Aber sie wolle gern ihren Einfluss geltend machen, um diese Entscheidung zu beschleunigen. "Ein Gesundheitssystem, das so milliardenschwer ist, muss auch die Basisversorgung schwerstkranker und sterbender Kinder gewährleisten", fordert die Ministerin - und spricht damit den anwesenden Eltern und der versammelten Spitze der Rostocker Universitätsmedizin aus dem Herzen.

Deren Einrichtung hat wichtige Vorarbeit geleistet: Sie übernimmt die Trägerschaft für das ambulante Kinderpalliativteam. Das heißt, sie wird auch die erforderlichen Stellen ausschreiben. Erste Interessenten gibt es bereits, so Dr. Classen. Zwar nicht sofort zu Jahresbeginn, aber doch in den ersten Monaten des Jahres könne das Team seine Arbeit aufnehmen, gibt er sich optimistisch.

Die Ministerin wagt sogar den Ausblick, dass sich später auch in Vorpommern ein Krankenhaus finden könnte, das das Modell aufgreift: "Jedes Kind im Land, egal wo und in welcher sozialen Situation es aufwächst, muss die Unterstützung bekommen, die es braucht - in jeder Situation."

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