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Fahrkartenautomaten : Auf Beutezug mit Sprengsätzen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Diebe haben es auf Automaten abgesehen. Die Schäden gehen angesichts der Vielzahl der Fälle in die Hunderttausende.

In Brandenburg werden immer mehr Fahrkartenautomaten von Dieben gesprengt. Zuletzt konnte die Bundespolizei eine Anschlagsserie aufklären. Die Schäden bei der Bahn gehen in die Hunderttausende. Jetzt soll die Überwachung verstärkt werden.

Die beiden Angeklagten ließen vor dem Landgericht Neuruppin nichts unversucht, um ihre Reue zu bekunden. Schulden, Krankheit, Verzweiflung führten die Männer aus Pritzwalk als Gründe für ihre Taten an. Innerhalb weniger Wochen hatte das Duo, das laut den Ermittlungen zu einer 15-köpfigen Bande zählte, die es auch auf Kupferkabel aus Windkraftanlage abgesehen hatte, ein Dutzend Fahrscheinautomaten in Brandenburg und benachbarten Ländern gesprengt – mit selbst gebastelten Bomben.

Dafür befüllten sie Glasflaschen mit Schwarzpulver, das aus illegalen Polenböllern stammte, und brachten mit Sprengsätzen die Automaten zum Bersten.


Verletzungen werden in Kauf genommen


Das hätte zu schweren Verletzungen auch bei Passanten führen können, urteilte das Gericht im November. Die 23 und 22 Jahre alten Täter, die mit der Beute ein ausschweifendes Leben finanzierten, erhielten Haftstrafen von zwei Jahren und drei Monaten beziehungsweise drei Jahren.

Immer wieder kam es in den vergangenen Monaten zu ähnlichen Anschlägen. Am Freitag konnte die Bundespolizei eine Bande von Automatenbombern am S-Bahnhof Bergfelde (Oberhavel) auf frischer Tat schnappen. Sie wollten gerade mit der Geldkassette eines gesprengten Fahrscheinautomaten erbeutet, als die Beamten zugriffen. Auf dem Bahnsteig lagen die Metallsplitter weit verstreut.

Auch dort habe es sich um Schwarzpulver gehandelt, das in Rohre gefüllt war, berichtet ein Sprecher der Bundespolizei. Dabei schreckte das Trio, zwei 25 und 37 Jahre alte Männer aus Berlin sowie eine 39-jährige Frau aus Brandenburg, auch nicht davor zurück, die Polizisten mit einer Eisenstange zu bedrohen. Erst Warnschüsse konnten die Täter stoppen.

Nach Angaben der Polizeidirektion Nord haben die drei Automatenbomber bereits fünf Fälle gestanden – vier im Norden des Landes, einen im Kreis Dahme-Spreewald. „Ihr Vorgehen ist absolut gefährlich“, sagt Sprecher Toralf Reinhardt.

So wurde bei einer Automatensprengung ein Täter in Hessen im vergangenen Herbst schwer verletzt. Seine beiden Komplizen ließen ihn laut Polizei „aus Verdeckungsabsicht“ auf einem Bahnhofsparkplatz zurück – der Mann verblutete. Sie müssen sich jetzt wegen Mordes vor Gericht verantworten.

Im vergangenen Jahr registrierte das Polizeipräsidium in Brandenburg rund 100 gesprengte Fahrkarten- oder Zigarettenautomaten, knapp ein Drittel mehr als noch 2012. Die Deutsche Bahn will mit Sicherheitskräften sowie technischen Maßnahmen die Sprengungen stoppen.


Neue Maßnahmen in Planung


So sollen verstärkt Fahrscheinautomaten mit Tintenpatronen ausgestattet werden, die bei gewaltsamer Öffnung der Geräte die Tickets und Geldscheine einfärben, erklärt Bahnsprecher Burkhard Ahlert. In Abstimmung mit der Bundespolizei seien Streifen im Einsatz. Allein 30 000 Euro kostet laut Ahlert der Austausch eines zerstörten Automaten. Die Schäden gehen angesichts der Vielzahl der Fälle in die Hunderttausende.

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