Arbeitsmarktexperte Radloff: Situation derzeit noch relativ günstig

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07. Januar 2009, 01:48 Uhr

Stralsund - Die Situation am Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern ist nach Ansicht des Leiters der Agentur für Arbeit Stralsund, Jürgen Radloff, gegenwärtig noch immer „vergleichsweise günstig“. Die Lage sei durchaus nicht so kritisch wie die von Forschungsinstituten verbreiteten Verlautbarungen, sagte er am Mittwoch in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp. Das liege auch daran, dass die Wirtschaft hierzulande im Unterschied zu anderen Bundesländern weniger exportorientiert sei und die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise bislang nur wenig zu spüren bekommen habe.

Zwar sei auch in Vorpommern die Arbeitslosigkeit von 14,2 Prozent im November auf 15,2 Prozent im Dezember gestiegen. Dies sei jedoch für die vom Tourismus geprägte Region eine absolut übliche saisonale Entwicklung, unterstrich Radloff. Unter dem Strich bleibe, dass die Arbeitslosenquote im Agenturbereich seit 2004 um fast zehn Prozentpunkte zurückgegangen sei und sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen nahezu halbiert habe.

Radloff räumte allerdings ein, dass in den vergangenen Monaten die Zahl der Kurzarbeiter gestiegen sei. Das betreffe zum Beispiel witterungsbedingt die Baubranche. Nur wenige Unternehmen wie der Greifswalder Bootsbauer HanseYachts und eine Zeitarbeitsfirma hätten als unmittelbare Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise für insgesamt 400 Beschäftigte Kurzarbeit einführen müssen. Auch bei den beiden gut ausgelasteten großen Werften in Stralsund und Wolgast gebe es bisher keine Einschränkungen.

Radloff sagte, die Agentur verfüge 2009 in etwa über den gleichen Etat wie 2008 und sei in der Lage mit beschäftigungsbegleitenden Leistungen, Qualifizierungs- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sowie Ein-Euro-Jobs Krisen abzufedern. Zudem könnten Investitionen aus dem geplanten neuen Konjunkturpaket der Bundesregierung in Mecklenburg-Vorpommern vor allem im Ausbau von Kommunikationsnetzen und in der Schulsanierung zu zusätzlicher Beschäftigung führen. Zuversichtlich stimme auch, dass viele Unternehmen im Nordosten angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels insbesondere in der Metallindustrie, in der Gesundheitswirtschaft sowie auf dem Bau betriebsbedingte Kündigungen möglichst verhindern wollten.

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