Arbeitsmarkt in MV trotzt Krise

Die Prognose lässt hoffen: Die Auswirkungen der drohenden Wirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt in MV werden Experten zufolge geringer sein als bisher angenommen. Die bestehende kleinteilige Wirtschaftsstruktur, die rasante demografische Entwicklung und die in den vergangenen Jahren auf ein Mindestmaß reduzierten Belegschaften werden zu einem unterdurchschnittlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit führen.

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11. Dezember 2008, 07:44 Uhr

Schwerin | Für Jürgen Goecke gibt es kaum Zweifel: 180 000 Arbeitslose wie im November 2004 in Mecklenburg-Vorpommern - "auf diese Höhen kehren wir nicht mehr zurück." Und dennoch steht für den Chef der Landesarbeitsagentur fest: Die Arbeitslosenquote werde in MV steigen, "aber keiner weiß wie hoch". Für den Arbeitsmarktexperten spricht einiges dafür, dass der Anstieg trotz der sich abzeichnenden Wirtschaftskrise im Vergleich zu anderen Bundesländern unterproportional ausfallen wird. So gebe es durch die Wirtschaftsstruktur keine großen Abhängigkeiten von großen Unternehmen wie z. B. in der kriselnden Autoindustrie. Die demografische Entwicklung führe zudem dazu, dass künftig jährlich bis zu 15 000 Erwerbsfähige in MV altersbedingt ausscheiden und den Arbeitsmarkt entlasten würden. Vor allem aber hätten sich die Unternehmen bereits "auf Kernbelegschaften gesundgeschrumpft", sagte Goecke. Früher sei in der Personalstruktur "viel Luft drin gewesen", künftig würden die Betriebe mehr unternehmen müssen, um qualifiziertes Personal zu halten. "Es gehen immer mehr Jahrgänge in den Ruhestand, die gut ausgebildet sind."

Die Entwicklung der letzten Monate hat den Arbeitsmarkt in MV auf den bisher besten Stand seit Jahren gebracht. Zwischen November 2004 und November 2008 sei die Zahl der Arbeitslosen um 60 000 zurückgegangen. "Eine gigantische Entwicklung" meinte Goecke. Das sei zwar u. a. auf die Bevölkerungsentwicklung zurückzuführen, aber auch auf mehr Beschäftigung. Hinter MV liege ein "fantastisches Jahr". Die Aussichten trüben sich derzeit zwar etwas ein: Gegenwärtig gebe es deutlich mehr Erkundigungen von Arbeitsgebern über die Modalitäten der Kurzarbeit, sagte Goecke. Aber: MV sei "nicht der brennenste Punkt in der Republik". Sowohl in Zeitarbeitsfirmen als auch in anderen Unternehmen in MV würden bislang weniger Entlassungen erwartet als in anderen Bundesländern. Die Arbeitsverwaltung hält massive Hilfsprogramme bereit. Die Förderschwerpunkte: Hilfe für Jugendliche beim Einstieg in die Berufsausbildung, Fortbildung für Beschäftigte und Arbeitslose, Unterstützung von Arbeitnehmern ohne Ausbildung. "Was sinnvoll ist, werden wir finanzieren", sagte Goecke zu. Insgesamt stehen MV 580 Millionen Euro zur Verfügung.

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