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17. Dezember 2017 | 09:17 Uhr

Antriebslos und überfordert

vom

svz.de von
erstellt am 27.Sep.2013 | 05:05 Uhr

Hohe Belastungen am Arbeitsplatz oder ein schlechtes Arbeitsklima können eine Depression begünstigen. Sie sind aber in der Regel nicht alleinige Ursache. Darauf weist Detlef Dietrich, Repräsentant der European Depression Association (EDA), anlässlich des Europäischen Depressionstag am 1. Oktober hin. Oft kommen mehrere Aspekte zusammen: eine genetische Prädisposition, somatische Faktoren - und dann noch die Konflikte auf der Arbeit.

Die Kernsymptome einer Depression sind depressive Stimmung, Antriebslosigkeit, Verlust von Interesse und Freude sowie Anhedonie, also die Unfähigkeit, die eigenen Gefühle wahrzunehmen. Hinzu können weitere Symptome kommen, beispielsweise Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. Und was auf der Arbeit besonders auffällt: verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit. Halten die Symptome länger als zwei Wochen an, sollte der Betroffene einen Arzt aufsuchen. Ob der Gang zum Haus- oder zum Betriebsarzt führt, sollte danach entschieden werden, welcher Arzt früher verfügbar sei, rät Dietrich.

Der offene Umgang mit der Depression am Arbeitsplatz ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen kann Offenheit gut sein: So ist es möglich, schon kurz nach der Krankschreibung unter anderen Bedingungen wieder in den Job einzusteigen, vielleicht statt acht Stunden nur vier Stunden täglich zu arbeiten. Denn: "Arbeit kann auch ein Anti-Depressivum sein", sagt Dietrich. Sie hilft zum Beispiel, dem Tag Struktur zu geben.

Außerdem kann der Arbeitgeber entsprechend reagieren und sich für eine bessere Arbeitsatmosphäre einsetzen, die allen Mitarbeitern zu Gute kommt. Dazu kann beispielsweise gehören, mehr Entscheidungsspielraum zu gewähren, mehr Ruhepausen einzuführen und die Arbeit stärker wertzuschätzen.

Auf der anderen Seite haben viele Arbeitnehmer Angst um ihren Arbeitsplatz, wenn sie ihrem Chef von ihrer Depression erzählen. Solch eine Angst sei nicht völlig unbegründet, weiß Dietrich. Zwar nehme die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen in der Gesellschaft ab, sie existiere aber noch. Ob der Betroffene sich also dafür entscheidet, am Arbeitsplatz offen mit seiner Krankheit umzugehen, kommt auf den Einzelfall an.

Wer dem Chef lieber nicht von der Depression erzählt, sollte sich überlegen, ob er nicht Kollegen einweiht, denen er vertraut. Denn sie können sich einschalten, wenn sie glauben, dass sich eine neue depressive Episode anbahnt. Die Betroffenen selbst erkennen die Anzeichen nämlich häufig sehr spät, erklärt Dietrich.

Zusätzlich sollten sich die Betroffenen Regeln setzen, damit sie nach dem Wiedereinstieg in den Job nicht direkt in alte Muster verfallen und sich bald erneut überlastet fühlen. Dazu können feste Pausenzeiten und das Einhalten der Arbeitszeiten ohne Überstunden gehören. Und: "Auch mal lernen, nein zu sagen", empfiehlt Dietrich. So halsen sich die Betroffenen nicht zu viele Aufgaben auf.

Daneben ist wichtig, sich Ausgleich zu schaffen, also Hobbys nachzugehen oder Sport zu treiben. Und sich mit seiner Familie und mit Freunden auszutauschen: Denn all diese Bereiche können viel zu einem positiven Selbstwertgefühl des Betroffenen beitragen. Sein Selbstwertgefühl ausschließlich auf der Arbeit zu gründen, davon rät Dietrich ab.

Laut einer Studie wurden schon bei 20 Prozent der Arbeitnehmer eine Depression diagnostiziert. In der IDEA-Studie (Impact of depression at work in Europe Audit) wurden mehr als 7000 Angestellte und Manager in sieben europäischen Ländern zur Depression am Arbeitsplatz befragt. Die Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer Depression umfasste im Schnitt 35,9 Arbeitstage.

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