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24. August 2017 | 05:01 Uhr

Anschlagsziel Ackermann

vom

Frankfurt/Main | Die Wut auf die Banker in der Euro-Schuldenkrise ist weltweit groß. Jetzt hat sich eine linksanarchistische Terror-Gruppe aus Italien zu einem versuchten Briefbombenanschlag auf Deutschlands mächtigsten Banker, Josef Ackermann, bekannt. Die explosive Sendung an den Deutsche Bank-Chef wurde frühzeitig abgefangen, verletzt wurde niemand.

Gestern entdeckten die Ermittler bei der Spurensicherung ein verstecktes, gerolltes Bekennerschreiben der "FAI - Federazione Anarchica Informale". Die Gruppierung verübte in der Vergangenheit bereits Dutzende von Anschlägen, darunter auch schon einmal in der Finanzmetropole Frankfurt. 2003 schickte sie eine Briefbombe an die Europäische Zentralbank. Die Ermittlungen verliefen damals im Sand.

Doch warum Josef Ackermann? Der Schweizer, der seit 2002 das größte deutsche Geldhaus führt, ist wie kaum ein anderer Banker eine Reizfigur. Der 63-Jährige gilt Kritikern als Vertreter eines ungebremsten Finanzkapitalismus, der für die letzte Finanz- und Wirtschaftskrise, aber auch für die Euro-Schuldenkrise verantwortlich gemacht wird.

Ackermann, dem auch Kritiker hohe fachliche Qualifikation bescheinigen, steht immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Sein Wort hat Gewicht - auch in der Politik. In der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise nach der Lehman-Pleite 2008 stand Ackermann, dessen Ära bei der Deutschen Bank im Mai nächsten Jahres endet, zeitweise im Dauerkontakt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

In der aktuellen Euro-Schuldenkrise verhandelte er als Vorsitzender des internationalen Bankenverbands IIF in Brüssel die Banken-Beteiligungen an der Griechenlandrettung. Der persönlich adressierte Brief war am Mittwoch in der Poststelle der Deutschen Bank aufgefallen, an die Polizei weitergeleitet und von Experten entschärft worden.

Ackermann selbst war an diesem Tag nicht in dem Gebäude. In dem Schreiben wurde laut Landeskriminalamt vor "drei Explosionen gegen Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger" gewarnt. Die Ermittler gehen daher - entgegen erster Vermutungen - davon aus, dass noch zwei weitere Briefbomben verschickt worden sein könnten. So viel ist nach ersten Ermittlungen immerhin bekannt: "Das war kein Sprengstoff, weder militärischer oder gewerblicher", sagt ein Polizeisprecher. Das Pulver hätte beim Öffnen des Umschlags "aber mit Sicherheit gefährlich werden" und Verbrennungen an Hand, Gesicht und Oberkörper verursachen können. Möglicherweise sei das Pulver selbst hergestellt worden, oder es stamme aus einem Feuerwerkskörper.

Wie groß die Nervosität der Sicherheitsbehörden ist, zeigt die prompte Reaktion in der Finanzmetropole New York. Die New Yorker Polizei verschickte eine Warnung an Wall-Street-Unternehmen, dass sie bei Paketen "besonders vorsichtig" sein sollten. Die Streifen rund um die Büros der Deutschen Bank in New York wurden verstärkt.

Occupy-Aktivisten störten erst kürzlich einen Ackermann-Vortrag in Hamburg. Von dem Anschlagsversuch distanzierte sich die Bewegung in Frankfurt aber deutlich. "Wo Menschen bedroht werden, hört der Spaß auf", sagte Frank Stegmaier von dem Occupy-Camp im Bankenviertel unweit der Zwillingstürme der Deutschen Bank.

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erstellt am 08.Dez.2011 | 08:09 Uhr

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