Angeklagte im Prozess um Krawalle von Bützow verurteilt

Standbild aus einem Handy-Video der Randale-Nacht in Bützow.
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Standbild aus einem Handy-Video der Randale-Nacht in Bützow.

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03. März 2008, 05:44 Uhr

Güstrow - Im Prozess um die Krawalle von Bützow im August 2007 hat das Güstrower Amtsgericht am Montag vier Angeklagte zu Haftstrafen verurteilt. Einer von ihnen muss für zwei Jahre und acht Monate ins Gefängnis, die übrigen drei kamen mit Bewährung davon. Zwei weitere Angeklagte erhielten Geld- und Arbeitsauflagen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Männer im Alter von 18 bis 24 Jahren in der Nacht zum 25. August nach einem Stadtfest in einer größeren Menge randaliert haben. Dabei wurde der Imbiss eines Pakistaners verwüstet und ein Türke geschlagen. Die Anklagebehörde hatte bis zu drei Jahre und zwei Monate Haft gefordert. Die Ereignisse Betrunkene Männer mit kahlgeschorenen Köpfen und szenetypischer Kleidung ziehen randalierend durchs Zentrum der mecklenburgischen Kleinstadt Bützow. Sie zerstören Getränkewagen eines Stadtfestes, legen kleinere Brände, prügeln auf einen Türken ein und demolieren den Imbiss eines Pakistaners, der in Todesangst gerät.

Darüber, was in der Nacht zum 25. August 2007 geschah, herrscht weitgehend Einigkeit. Doch sind Übergriffe von mutmaßlich Rechten auf Ausländer auch immer als ausländerfeindlich zu werten? Das Amtsgericht Güstrow ist nicht dieser Meinung. Am Montag verurteilte es sechs Teilnehmer der Randale wegen gemeinschaftlichen Landfriedensbruchs. Rechte Motive wurden im Urteil nicht genannt. Nur einer der Angeklagten muss nach dem erstinstanzlichen Urteil tatsächlich in Haft. Zwei Jahre und acht Monate lautet das Urteil für den 24-Jährigen, wobei allerdings noch eine Strafe aus einem anderen Verfahren einfließt. Drei weitere Angeklagte erhielten Bewährungsstrafen von zwölf, zehn beziehungsweise sechs Monaten. Zwei Angeklagte kamen mit Verwarnungen davon und müssen Sozialarbeitsstunden ableisten.

Angriff von Rechten, aber nicht von rechts?

Dem Erscheinungsbild nach schien der vielfach vorbestrafte 24-Jährige als einziger der sechs Angeklagten im Prozess nicht bemüht, sich von der rechten Szene zu distanzieren. Sein stets glattrasierter Schädel gab den Blick auf angsteinflößende Tätowierungen frei. Einige seiner Mitangeklagten ließen sich dagegen offenbar die Haare wachsen. Prozessbeobachter kennen den Begriff „Strafkammerschnitt“, mit dem Angeklagte in Verfahren gegen die rechte Szene das Gericht milde stimmen wollen.

Im Verfahren beteuerten die Angeklagten stets, ausländerfeindliche Motive seien ihnen bei der Tat fremd gewesen. Sie gaben an, stark betrunken gewesen zu sein und sich auch nicht mehr richtig an das Geschehen erinnern zu können. Auch die Staatsanwaltschaft geht nicht davon aus, dass Ausländerhass zu den Taten führte, sondern eher die Suche nach noch mehr Alkohol. Bützows Bürgermeister Lothar Stroppe (parteilos) sieht dies allerdings anders: „Bei der Brutalität und der Aggressivität, die die Täter an den Tag legten, glaube ich nicht, dass es nur um Alkohol ging, da stand mehr im Hintergrund.“

Die Opfer

So empfand es auch Saqib M. Der 33-jährige Pakistaner wohnt mit seiner Familie über seinem Imbissladen. Während des Angriffs habe einer der Täter in seine Richtung gerufen „Scheiß Türke, wir kommen gleich rauf!“, sagte Saqib M. vor Gericht aus. Einige Angreifer hätten versucht, nicht nur seinen Laden zu zertrümmern, sondern auch die Tür zum Hausflur aufzubrechen, der zur Wohnung führt. „Ich wollte mit meiner Familie schon zum Hinterausgang flüchten“, berichtete er. „Als ich am nächsten Morgen die Zerstörungen sah, war ich froh, noch am Leben zu sein.“ Nach den Krawallen flog er mit seiner Frau und der fünfjährigen Tochter für einige Wochen nach Pakistan, um den Schreck verarbeiten zu können.

Inzwischen fühlt der 33-Jährige sich wieder wohl in Bützow, wo er viele Freunde hat. „Bützow ist keine Nazi-Stadt. Es gibt auch viele vernünftige Leute hier“, betont er. Das steht auch für Bürgermeister Stroppe fest. Dem Bündnis für Demokratie und Toleranz in Bützow, das nach den Vorfällen gegründet wurde, sind bislang 80 Bürger beigetreten. Für das nächste Stadtfest wird bereits zusammen mit der Polizei, deren anfangs zögerliches Verhalten bei den Krawallen stark kritisiert wurde, eine Einsatzstrategie erarbeitet. Bestimmte Personen, von denen Gefahr ausgehen könnte, sollen schon vorher gezielt angesprochen werden. Und um den Katalysatoreffekt von Alkohol auszubremsen, soll dessen Ausschank besser überwacht werden.

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