Altes Haus dick einpacken

Möglichst dick: Was bei der Wärmedämmung vor Jahren noch Stand der Technik war, reicht heute nicht mehr aus, sagt Eckhard Wulkow.Foto: Kathrin Neumann
Möglichst dick: Was bei der Wärmedämmung vor Jahren noch Stand der Technik war, reicht heute nicht mehr aus, sagt Eckhard Wulkow.Foto: Kathrin Neumann

Ein guter Mantel aus dem richtigen Material hält die Körperwärme dort, wo sie benötigt wird. Im Körper. Bei einem Haus ist das nicht anders. Eine vernünftige Außenhülle sorgt dafür, dass die Wärme im Inneren bleibt. Gut gedämmt, ist schon gespart.

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09. Oktober 2008, 11:00 Uhr

Ein guter Mantel aus dem richtigen Material hält die Körperwärme dort, wo sie benötigt wird. Im Körper. Bei einem Haus ist das nicht anders. Eine vernünftige Außenhülle sorgt dafür, dass die Wärme im Inneren bleibt. Doch genau daran mangelt es bei Gebäuden älteren Baujahrs und so können bis zu zwei Drittel der Wärme über den Keller, durch Außenwände, Fenster und Dach entweichen.
Größten Anteil daran haben die Wände mit 35 Prozent, gefolgt vom Dach mit 30 und den Fenstern mit 25 Prozent. Das war die schlechte Nachricht.

Und jetzt die gute: Ein hoher Verlust bringt auf der anderen Seite ein hohes Sparpotenzial mit sich. Mit einer guten Dämmung lassen sich nach Auskunft der Verbraucherzentrale die Heizkosten halbieren. Wer seine Immobilie in ein Passivhaus verwandelt, kann sogar bis zu 90 Prozent sparen.

MaterialienE
Egal wie dick – eine Dämmung aus modernen Materialien kann eine Wand nicht ersetzen. Zwei Zentimeter Dämmstoff haben die gleiche Wirkung wie eine 30 Zentimeter dicke Wand aus Hochlochziegeln oder eine über einen Meter dicke Betonwand, informiert die Verbraucherzentrale. Die nachträgliche Dämmung der Fassade ist in den meisten Fällen genauso wenig ein Problem wie das „Einpacken“ des Daches. Zur Auswahl stehen dabei unterschiedlichste Materialien und Verarbeitungsformen – mineralische und kunststoffbasierte Materialien oder Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen wie Flachs, Hanf oder Schafwolle, Matten, Platten oder Schüttungen. Feuchtigkeits- und Brandverhalten, Schalldämmung, Wärmeleitfähigkeit, Verarbeitbarkeit und nicht zuletzt der Preis sind Entscheidungskriterien.

„Wichtig ist, dass die Dämmschicht dick genug ist“, sagt Eckhard Wulkow vom gleichnamigen Maler-Fachbetrieb in Schwerin, der schon viele Häuser ordentlich eingepackt hat. „Früher waren für die Außenwände zehn Zentimeter Stand der Technik, heute sollten es wenigstens 14 Zentimeter sein. Manchmal nimmt man aber sogar schon 20 bis 24 Zentimeter.“ Und weil die Dämmung einige Jahrzehnte hält, sollte man sie auch ruhig etwas dicker wählen, zumal ein paar Zentimeter mehr finanziell nicht so stark ins Gewicht fallen. Um folgenschwere Fehler, Wärmebrücken und Probleme mit dem Feuchtigkeitstransport zu verhindern, sollte man die Fassadendämmung lieber einem Fachbetrieb überlassen.

Dach und Keller
Gedämmt werden sollte immer direkt über oder unter dem letzten beheizten Raum. Wer den Spitzboden nicht heizt, sollte also die Decke im Obergeschoss gut einpacken. Dicke Dämmmatten zwischen die Sparren legen – das schafft auch ein handwerklich begabter Laie. Soll der Dachboden bis in die Spitze genutzt und deshalb erwärmt werden, muss die Dämmung in die Dachschrägen eingebracht werden, entweder zwischen die Sparren oder als Platten auf die Sparren.

Kalte Füße im Wohnzimmer sprechen für eine schlecht gedämmt Kellerdecke oder Bodenplatte. Wer von unten keine Dämmung anbringen kann, kann das auch von oben tun. Korkplatten oder eine Trockenschüttung, auf die Verlegeplatten kommen, wären Alternativen, erklärt Eckhard Wulkow. Allerdings kommt der Fußboden dadurch natürlich etwas auch – aber dafür ist es nicht nur für die Füße wärmer, man spart auch Energie.

Fenster
Auch die Fenster bieten ein hohes Einsparpotenzial, vor allem wenn sie noch aus unbeschichtetem Standardglas oder einfachem Verbundglas bestehen. Denn auch bei der Verglasung und den Rahmen ist der Wärmeschutz in den vergangenen Jahren deutlich verbessert worden. Heutiger Standard sind metallisch beschichtete Doppelverglasungen mit isolierendem Edelgas, und inzwischen gibt es bereits Dreifachverglasungen. Moderne Fenster haben einen U-Wert von rund 1,0. Er beziffert den Wärmeverlust von innen nach außen. Weitere Schwachpunkte sind oft die Rollädenkästen – eine schlechte Isolierung und die Gurtdurchführungen sind schuld.

Schimmel
Angst vor Schimmel muss kein potenzieller Haus-Sanierer haben. Im Gegenteil, betont die Verbraucherzentrale. Schimmel entstehe vor allem dort, wo feuchtwarme Luft auf kalte Bauteile trifft. An Wärmebrücken und bei luftdurchlässigen Anschlüssen zwischen Wand und Dach oder Fenster und Wand würde sich beispielsweise Feuchtigkeit niederschlagen, die zu Schimmel führen kann. Deshalb ist eine lückenlose und luftdichte Dämmung wichtig. Genauso wichtig ist jedoch das Lüften, damit die Feuchtigkeit, die zwangsläufig im Haus entsteht, nach außen gelangen kann.

Förderung
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beteiligt sich über ihr CO2-Gebäudesanierungsprogramm an Sanierungsvorhaben, die zur Senkung des Energieverbrauchs in Altbauten führen, die vor 1984 entstanden. Eigentümer, deren Häuser dadurch mindestens Neubau-Niveau nach Energieeinsparverordnung erreichen, können einen zinsgünstigen Kredit von bis zu 50 000 Euro erhalten und zusätzlich einen Tilgungszuschuss von fünf Prozent des Zusagebetrages. Erreicht das Haus Werte, die 30 Prozent oder mehr unter den Neubau-Werten liegen, beläuft sich der Tilgungszuschuss auf 12,5 Prozent.

Wer keinen KfW-Kredit benötigt, kann einen Zuschuss von zehn Prozent (bis 5000 Euro) bzw. von 17,5 Prozent (bis 8750 Euro) erhalten. Außerdem werden einzelne Maßnahmenpakete gefördert, wenn das Gebäude bereits vor 1995 gebaut worden war.

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