Altes Handwerk wieder belebt

Ein im Februar 2008 gegründetes Plauer Unternehmen stellt Erzeugnisse aus Weidenruten her, von Toren über Labyrinthe bis hin zum Gewürzregal und belebt damit ein altes Handwerk. Es ist in seiner Art einzigartig in MV.

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21. Februar 2008, 07:29 Uhr

Für Ulrich Weber aus Plau am See ist 2008 ein besonderes Jahr: Am 2. Febraur wagte er mit seinem Unternehmen „Mecklenburger Weidenzauber“ den Schritt in die Selbstständigkeit. Dahinter steht die Idee, Produkte aus Weidenruten anzubieten, was eine nicht alltägliche Herausforderung darstellt. Aber Ulrich Weber ist auf diesem Gebiet natürlich kein „heuriger Hase“. Vor der Gründung seiner Firma war er beim FAL e.V. in Ganzlin beschäftigt und hatte im Rahmen eines Projektes eine Weidenmanufaktur aufgebaut. Der „Vater der Idee“ war damals Ulrich Weber selbst. „Beim Weidenschnitt ist mir der Gedanke gekommen, warum man nicht Erzeugnisse aus Weidenruten anbieten sollte, zumal der Grundstoff hier in der Region in Größenordnungen vorhanden ist.“ Das originelle Aussehen und die lange Haltbarkeit zeichneten die Produkte aus, die außerdem pflegearm seien. Durch das Studium von Fachliteratur habe er sich mit diesem alten Handwerk intensiv bekanntgemacht. Denn schon früher seien Weidenruten z.B. für den Bau von Einfriedungen für die Tierhaltung und Grundstücke genutzt worden. „Ich habe zunächst mit der Fertigung einfacher Zäune begonnen und mich nach und nach an kompliziertere Aufgaben gewagt, was mit so manchen Schwierigkeiten verbunden war“, erläutert Ulrich Weber.

Im Rahmen der Produktpalette seines jetzigen Unternehmens bilden, wie er herausstellt, lebende, ausgrünende Bauten den Schwerpunkt. Aber z. B. auch Tore für Grundstückseinfahrten, Verkleidungen für Standorte von Mülltonnen und Raumteiler gehören dazu.

Sein erster großer Auftrag: In der kommenden Woche startet Ulrich Weber mit dem Bau eines Iglos von rund zwei Metern Durchmesser, einem fünf Meter langen Tunnel sowie einem 30 Meter langen Labyrinth auf dem Gelände der Kindertagesstätte „Grashüpfer“ in Groß Godems. Hinzu kommen noch mehrere Bänke und ein nicht ausgrünender Zaun. Im Auftragsbuch ist zudem schon die Schaffung ähnlicher Objekte u. a. in Kamin, Lohmen, Stelzhagen und Stowe vermerkt. Aber der Weidenzauber aus Plau am See ist nicht nur in MV, sondern auch über die Grenzen hinaus gefragt. In Schleswig-Holstein und in der Berliner Region sind es vor allem Privatleute, die besonderen Wert u. a. auf originelle Sichtschutzzäune und Tore aus Weidenruten für ihre Grundstücke legen.

Bevor Ulrich Weber aber an die Fertigung seiner Produkte gehen kann, sind umfagreiche Vorarbeiten notwendig. So ist er in der Regel von Oktober bis März mit dem Weidenschnitt beschäftigt. „Um eine solide Grundlage für eine Jahresproduktion zu haben, benötige ich etwa 30 000 Weidenruten“, schätzt Weber. Wenn man bedenkt, dass ein Baum etwa 25 bis 30 brauchbare Ruten liefert, kann man sich den großen Aufwand vorstellen, zumal der gesamte Weidenkopf geschnitten werden muss.

Darüber hinaus verfügt Ulrich Weber über eine Weidenplantage in Palmberg bei Schönberg, wo die Weidenruten wie Schilf wachsen und ca. zwei Jahre benötigen , bis sie verarbeitet werden können. Für den Schnitt hat er übrigens zwei „geringfügig Beschäftigte“ eingestellt.

Auf Messen, wie z. B. „Bauen im Norden“ (Schwerin, erste Märzwoche), Hanse-Messe (Wismar/März) will Ulrich Weber seine nicht alltäglichen Erzeugnisse präsentieren. „Eine Firma mit meinem Produktionsspektrum ist mir in MV nicht bekannt und dürfte in dieser Art einzigartig im Land sein“, so der Unternehmer.

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