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17. Oktober 2017 | 20:56 Uhr

Altersgerechter Umbau statt Umzugszwang

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes VdK, sprach Rasmus Buchsteiner über eine Umzugsprämie.
Was halten Sie von der Idee?
Mascher: Diesen Vorschlag kann ich in der Praxis nicht nachvollziehen. Sicherlich gibt es ältere Menschen mit Wohnungen, die für sie zu groß sind, weil der Partner vielleicht verstorben ist und die Kinder schon lange woanders leben. Aber das ist kein Massenphänomen. Wir sollten uns um die wirklich wichtigen Themen kümmern!
Was spricht gegen eine solche Umzugsprämie?
Wir sollten ältere Menschen nicht aus ihren Wohnungen hinausdrängen. Es darf keinen Zwang geben, weder direkt noch indirekt. Wenn die Gesellschaft das Signal gibt, dass Senioren Wohnungen ab einer bestimmten Größe nicht mehr zustehen und sie gefälligst auszuziehen haben, halte ich das für völlig verfehlt.
Niemand fordert Zwang. Die Gewerkschaft hat eine Umzugsprämie vorgeschlagen, weil viele Familien mit Kindern nach größeren Wohnungen suchen…
Aber das Ganze muss auch praktikabel sein. In vielen Fällen ist es das nicht. Wer heute bei uns in München eine größere Wohnung mit einem 30 Jahre alten Mietvertrag hat, zahlt unter Umständen viel weniger, als heute für eine kleinere Wohnung an Miete verlangt wird. Da liegt das Problem. Am Ende zahlt man drauf, wenn man umzieht. Ältere Menschen, die sich verändern wollen, suchen meist nach Wohnraum im gleichen Stadtviertel. Und die sind meistens kaum erschwinglich.
Eine Umzugsprämie würde also nichts bringen?
Nein. Ich war mal in München ehrenamtliche Stadträtin. Da haben wir so etwas auch einmal versucht. Es wurde ein Büro eingerichtet, das ältere Menschen beraten und solche Umzüge vorbereiten sollte. Nach zwei Jahren haben wir das Experiment wieder eingestellt: Es gab einfach kein nennenswertes Interesse daran!
Wie sehr berücksichtigt der Wohnungsmarkt die Bedürfnisse von Senioren?
Nur ein Bruchteil des Wohnungsbestands ist seniorengerecht ausgebaut. Bei diesem Thema besteht dringender Handlungsbedarf. Man sollte nicht über Umzugsprämien reden, sondern ernsthaft über eine grundlegende Sanierung und einen altersgerechten Umbau von Wohnungen nachdenken. Dafür sollte es auch finanzielle Anreize geben, etwa die steuerliche Absetzbarkeit der Investitions- und Baukosten. Der Bedarf ist riesengroß. Altersgerechtes und barrierefreies Wohnen war bisher kein Thema. Zu dem Thema hört man von der Baugewerkschaft leider bisher wenig.

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