Als Witwe plötzlich Steuern zahlen?

Die Nachricht sorgte für viel Wirbel: Nach der Bundestagswahl soll verstärkt nach Rentnern gefahndet werden, die ihrer Steuerpflicht nicht nachkommen. Dabei hinterziehen Rentner - anders als mancher Großverdiener - höchst selten absichtlich ihre Steuern. Vielmehr ist es ganz einfach schwer zu durchschauen, wer als Rentner überhaupt zur Steuerzahlung verpflichtet ist.

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24. Februar 2009, 11:39 Uhr

Bisher war es ein Glücksspiel: Wer sich nicht freiwillig beim Finanzamt meldete, um die Besteuerung seiner Rente zu veranlassen, konnte ungeschoren davonkommen. Es sei denn, er rückte durch Erbschaften oder steuerpflichtige Geschäfte ins Blickfeld der Finanzbeamten. Doch das ist bald vorbei: Die Rentenversicherungsträger sind gesetzlich dazu verpflichtet worden, Ende dieses Jahres die Höhe der Rentenbezüge an die Finanzämter zu melden. Diese prüfen dann automatisch, ob eine Steuerpflicht besteht. Und zwar rückwirkend bis 2005.

Was bedrohlich klingt, wird dennoch für die Mehrheit der Rentner ohne Folgen bleiben. Denn Bezieher einer Durchschnittsrente, die keine weiteren Einkünfte haben, bleiben derzeit steuerfrei. Ob Rentner Steuern zahlen müssen, hängt von mehreren Faktoren ab.

Steuerpflichtiger Anteil je nach Rentenbeginn
Der erste, der hier - noch vor der Höhe der monatlichen Bezüge - zu nennen ist, wäre der Beginn des Rentenbezuges. Von diesem Datum hängt nämlich ab, welcher Anteil der Rente überhaupt zu versteuern ist.

Bei allen, die 2005 oder früher in Rente gegangen sind, müssen 50 Prozent der Rente versteuert werden. Seither hat sich der Prozentsatz Jahr für Jahr um zwei Prozentpunkte erhöht. Wer beispielsweise 2008 in Rente ging, muss also 56 Prozent seiner gesetzlichen Renteneinkünfte versteuern. Bei allen, die in diesem Jahr Rentner werden, sind bereits 58 Prozent des Altersruhegeldes steuerpflichtig. Ab 2040 muss dann schließlich die gesamte Rente versteuert werden - von denjenigen, die in jenem Jahr oder später in den Ruhestand gehen.

Problem: Einkünfte neben der Rente
Auch für Rentner gilt der gerade angehobene steuerliche Grundfreibetrag von jährlich 7834 Euro bei Alleinstehenden oder 15 668 Euro bei Verheirateten. Nur wenn der steuerpflichtige Anteil der Rente darüber liegt, fallen Steuern an.

Zu beachten ist allerdings, dass andere steuerpflichtige Einkünfte mit zur Berechnung herangezogen werden können. Wolfgang-Peter Ertelt von der Lohnsteuerhilfe Bayern e. V. nennt in diesem Zusammenhang zum Beispiel Einnahmen aus Mieten oder Pachten, aber auch Kapitalerträge, die den Sparerfreibetrag übersteigen.

Bestimmte Belastungen dürfen abgezogen werdenAuch Rentner dürfen bei der Ermittlung ihrer steuerpflichtigen Einkünfte aber einige Belastungen abziehen, so Ertelt. Die sind neben dem Werbungskostenpauschbetrag von 102 Euro pro Person auch

- der Eigenanteil zur Kranken-und Pflegeversicherung,

- Beiträge zu Haftpflichtversicherungen

- Beiträge zu Unfallversicherungen

- gegebenenfalls gezahlte Kirchensteuer bzw. das gezahlte Kirchgeld

- Zuwendungen wie Spenden oder Beiträge für Parteien.

Darüber hinaus können außergewöhnliche Belastungen abgezogen werden - das sind beispielsweise Kosten für Medikamente, Praxisgebühr, Zuzahlungen für ärztliche Behandlungen, Fahrten zu Ärzten u.a. Hier gilt allerdings ein Eingenanteil von zwei Prozent des Brutto-Jahreseinkommens als zumut- und damit nicht absetzbar.

Dafür können aber Behinderte weitere Freibeträge vom zu versteuernden Einkommen abziehen. Sie richten sich nach dem Grad der Behinderung (GdB) und betragen:

- 310 Euro bei einem GdB von 25 bis 30

- 430 Euro bei einem GdB von 35 bis 40

- 570 Euro bei einem GdB von 45 bis 50

- 720 Euro bei einem GdB von 55 bis 60

- 890 Euro bei einem GdB von 65 bis 70

- 1060 Euro bei einem GdB von 75 bis 80

- 1230 Euro bei einem GdB von 85 bis 90

- 1420 Euro bei einem GdB von 95 bis 100

- 3700 Euro für Blinde und für Menschen, die infolge ihrer Behinderung hilflos sind.Darüber hinaus dürfen auch Aufwendungen für die Beschäftigung einer Hilfe im Haushalt abgesetzt werden. Die Grenze hier liegt bei 624 Euro, wenn der Steuerpflichtige oder sein Ehegatte das 60. Lebensjahr vollendet hat; 924 Euro dürfen abgesetzt werden, wenn der Grad der

Behinderung mindestens 50 Prozent beträgt oder Hilflosigkeit vorliegt.

Schließlich dürfen auch Rentner im Rahmen der gesetzlich zulässigen Höchstbeträge den in Handwerkerrechnungen für Renovierungs-, Erhaltungs- oder Modernisierungsarbeiten enthaltenen Arbeitslohn absetzen. Dabei sind Rechnung und Kontoauszug als Zahlungsnachweis nötig. Erst wenn nach Abzug all dieser Beträge mehr als 7834 bzw. 15 668 Euro übrig bleiben, fällt Einkommensteuer an, so Wolfgang-Peter Ertelt.

Neue Situation beim Tod eines Ehepartners beachten
Während für viele Ehepaare die Steuererklärung im Rentenalter der Vergangenheit angehört, weil sie unter dem Grundfreibetrag bleiben, kann sich das plötzlich wieder ändern, wenn ein Partner stirbt. Denn Witwer und Witwen gelten steuerlich als Alleinstehende, so die Lohnsteuerhilfe Bayern. Für sie gilt also nur noch der steuerliche Freibetrag von 7664 Euro. Werden eigene Rentenbezüge und die dann zustehende Witwenrente addiert, liegt das zu versteuernde Einkommen oftmals über dem Grundfreibetrag für Alleinstehende. Das bedeutet: Es müssen Steuern gezahlt werden.

Steuerberater antworten am 12. März auf Leserfragen
Fragen zur Thematik beantworten am 12. März Steuerberater an unserem Lesertelefon Extra. Sie sind zwischen 10 und 12 Uhr unter den Rufnummern (0385) 63 78 303, -403, -503 und -603 zu erreichen.

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