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20. November 2017 | 22:16 Uhr

Alles wird neu

vom

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2012 | 05:47 Uhr

Ich will das gar nicht sehen! Die achtjährige Religionsschülerin hält sich die Hände vor die Augen, als das Bild vom gekreuzigten Jesus im Unterricht gezeigt wird. Alles scheint zu Ende zu sein. Recht hat sie, denke ich, das ist eigentlich unerträglich. Ich halte das aus, weil ich weiß, wie es weitergeht. Sie nehmen Jesus ab vom Kreuz und bringen ihn ins Felsengrab und - endlich - verkündet der Engel Maria die Auferstehung Jesu. Alles ist gut, alles wird neu.

Aber dann sehe ich, wie ein Viertklässler mit seinen Händen eine Scheibenwischerbewegung vorm Gesicht macht. Alles quatsch. Wer soll das denn glauben, bitte schön? Ein Toter, der wieder lebt!

Recht hat er, denke ich, das klingt wirklich nicht sehr überzeugend, was die Bibel uns überliefert. Schon merkwürdig, was die Christen da glauben.

Auch die Freunde Jesu schütteln den Kopf über das, was die Frauen vom Auferstandenen berichtet haben. Zwei von ihnen gehen nach Hause. Es ist vorbei. Zurück nach Emmaus, zurück ins alte Leben. Auf dem Weg begegnet ihnen ein Wanderer, dem sie alles erzählen. Er erklärt ihnen, was sie nicht verstehen. Schließlich laden sie ihn ein, gemeinsam einzukehren. Dabei gehen ihnen nicht nur die Augen, sondern auch das Herz auf. Sie erkennen Jesus als Auferstandenen in ihrer Mitte. Was zu Ende schien, hat nun einen Neubeginn. Aus den Skeptikern werden plötzlich große Enthusiasten, die begeistert weitersagen, was sie erlebt haben: Der Herr ist auferstanden, wie es Maria gesagt hat. Wir haben ihr nicht geglaubt, aber nun haben wir selbst erfahren, dass es wahr ist.

Wer Jesus begegnet, kann plötzlich verstehen. Wer selber Erfahrungen im Glauben macht, sieht die Welt anders. Vielleicht kann man sogar Dinge glauben, die mit Vernunft nicht erklärbar sind. Dass einer vom Tod wieder aufersteht. Dass es Trost inmitten des unerträglichen Leids gibt.

"Als ich meine Geburtstagsparty gemacht habe, kam mein Freund nicht. Erst später hörte ich, dass er einen schlimmen Unfall hatte und gestorben ist, ich war schrecklich traurig. Ich dachte, das hört nie mehr auf. Aber dann konnte ich mich doch wieder freuen." So erzählt ein Junge. "Das ist ja wie Karfreitag und Ostern", sagt eine andere im Religionsunterricht, "erst ist man traurig und dann freut man sich wieder. Vielleicht hat Gott das gemacht?!"

Ostern heißt: Hoffnung haben. Die christliche Ostergeschichte gibt Zeugnis davon, auch wenn es für viele Ohren unvernünftig klingen mag. Wie den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus, die sich auf den scheinbar fremden Wanderer eingelassen haben. Nachher beschreiben sie im Lukasevangelium ihre Erfahrung: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns auf dem Weg redete und uns dabei die Schrift öffnete?

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