Erben und vererben : Alles ist besser als nichts zu tun

Die Höhe der Erbschaftrichtet sich in  der  gesetzlichen   Erbfolge nach dem Verwandtschaftsgrad.
Die Höhe der Erbschaftrichtet sich in der gesetzlichen Erbfolge nach dem Verwandtschaftsgrad.

Wer seinen Nachlass nicht regelt, für den tut es das Gesetz – selbst Großeltern können etwas abbekommen.

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17. März 2014, 11:45 Uhr

Niemand mag sich gerne mit seinem eigenen Tod beschäftigen. Die Folge allerdings ist: Viele Deutsche hinterlassen kein oder nur ein oberflächlich formuliertes Testament. Das führt dann zu Familienstreitigkeiten, die nicht selten erst durch ein Gericht entschieden werden müssen. Im ungünstigsten Fall kommen zu den Gerichts- und Anwaltskosten auch noch Steuerforderungen, die bei einer durchdachten Nachlassplanung vermeidbar gewesen wären.

Wird kein Testament gemacht, greift die gesetzliche Erbfolge. Dadurch kann das Erbe ganz anders aufgeteilt werden, als es sich der Erblasser zu Lebzeiten gewünscht hätte.

Hinterbliebene Ehepartner beispielsweise erben nicht allein – es sei denn, sie und der oder die Verstorbene haben keine Kinder und es sind weder Eltern noch Großeltern des Verstorbenen oder deren Nachkommen mehr am Leben.

Gewöhnlich erben neben dem überlebenden Ehepartner immer auch die Kinder des Verstorbenen. In der gesetzlichen Erbfolge stehen sie an erster Stelle. Sind sie selbst nicht mehr am Leben, treten ihre Kinder an ihre Stelle, leben auch diese nicht mehr, sind deren Kinder erbberechtigt.

Eheliche, nichteheliche und Adoptivkinder sind im Erbrecht gleichgestellt. Stiefkinder dagegen sind nicht erbberechtigt.

Nur wenn der Verstorbene keine Kinder hinterlässt, sind seine Eltern erbberechtigt – man spricht dann von Erben zweiter Ordnung. Sind die Eltern schon verstorben, treten an deren Stelle ihre Kinder – mit anderen Worten: Nur in dieser Konstellation haben Geschwister oder Halbgeschwister einen Erbanspruch.

Lebt nur noch ein Elternteil, bekommt er die Hälfte des Erbanteils, der Rest wird auf die Kinder (oder Enkel) des verstorbenen Elternteils aufgeteilt.

Erben dritter Ordnung sind Großeltern, Tanten und Onkel bzw. Cousinen und Cousins. Erben vierter Ordnung wären die Urgroßeltern und ihre Abkömmlinge, praktisch dürfte diese Ordnung aber keine Bedeutung haben.

Wie hoch das Erbe des überlebenden Ehepartners ausfällt, richtet sich nach dem Güterstand, in dem das Ehepaar lebte, und nach der Familienkonstellation.

Im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft – der für die meisten Ehepaare gilt, es sei denn, sie haben einen Ehevertrag – wird beim Tod eines Partners der Erbteil des anderen (als Zugewinnausgleich) pauschal um ein Viertel erhöht. Der Überlebende bekommt demnach

- neben Erben erster Ordnung (Kinder, Enkel, Urenkel) inklusive des Zugewinnausgleichs die Hälfte des Nachlasses

- neben Erben zweiter Ordnung inklusive des Zugewinnausgleichs drei Viertel des Nachlasses.

Leben die Großeltern des Verstorbenen noch und gibt es ansonsten weder Erben erster noch Erben zweiter Ordnung, bekommt der Ehegatte drei Viertel des Erbes. Gibt es weder Großeltern noch Erben erster oder zweiter Ordnung, erbt der überlebende Ehegatte alles.

Hatten Ehepartner Gütertrennung vereinbart, steht dem Überlebenden neben Erben erster Ordnung nur ein Viertel des Nachlasses zu, neben Erben zweiter Ordnung bekommt er die Hälfte.

Die vorstehenden Regelungen gelten auch für gleichgeschlechtliche Paare in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Für unverheiratete Lebenspartner gibt es dagegen kein gesetzliches Erbrecht. Ohne Testament gehen sie leer aus.

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