Alles Heidi, oder was?

heidi
1 von 2

Schweizer locken mit Heile-Welt-Mythos jährlich zehntausende Touristen ins Land

svz.de von
06. Juli 2014, 13:16 Uhr

Tausende von Kilometern sind sie gereist. Mit Flugzeugen bis in die Schweiz und dann mit Bussen und zu Fuß durch das Sarganserland nach Maienfeld im Kanton Graubünden. Auf grünen Alpen vor den grauen Riesenfelsen wandeln Touristen auf den Spuren des wohl berühmtesten Bergmädchens der Welt – Heidi. Das freut vor allem die Marketingprofis.

Jährlich zieht es zehntausende Heidi-Fans in die Alpregion. Sie wollen die Schauorte aus den zwei „Heidi“-Büchern der Schweizer Schriftstellerin Johanna Spyri (1827-1901) erkunden. Die Romane sind weltbekannt, lassen sich als Heile-Welt-Bibel lesen und auch als Wanderführer: „Vom freundlichen Dorfe Maienfeld führt ein Fußweg durch grüne, baumreiche Fluren bis zum Fuße der Höhen, die von dieser Seite groß und ernst auf das Tal niederschauen.“

Die Bücher wurden mehr als 50 Millionen Mal verkauft und in mehr als 50 Sprachen übersetzt, seit 1879 der erste Band im Verlag F. A. Perthes im thüringischen Gotha erschien. Zudem ist das Schicksal der Spielgefährtin des Geißenpeters oft verfilmt worden: Heidi wächst beim Alpöhi heran, bis die Tante sie nach Frankfurt holt. Doch ihr Heimweh ist so groß, dass sie wieder auf die Alp muss. Dorthin folgt ihr Klara, die an den Rollstuhl gefesselte Frankfurter Freundin. Und dann das Wunder: Die Gelähmte lernt das Gehen.

Zum internationalen Kultstatus trug die 52-teilige japanische Zeichentrickserie „Alpenmädchen Heidi“ bei, die ab 1974 zu einem der größten globalen TV-Hits wurde.

Den Höhepunkt erreicht der Heidiismus im „Heididorf“. Nirgends auf der Welt sei Heidis Persönlichkeit spürbarer als in diesem Ort mit dem Original-Heidihaus, verspricht der offizielle Flyer. Dass Heidi nie in dem Haus gewohnt haben kann, hält Touristen nicht davon ab, sich vor dem Eingangsschild fotografieren zu lassen: „Heidi’s House – The Original“.

Der wirkliche Ortsname ist Rofels. Seine Handvoll Einwohner verdient gut mit am Bergmädchenrummel. So zeigt der Heidi-Shop mit Heidiwurst und Heidiwein, Heidipoststempeln, Heidikaffee, Heidischokolade und noch viel mehr, was eine Vermarktungsmaschine zu leisten vermag.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen