Ärzte warnen vor Lücken bei Diabetiker-Behandlung in Brandenburg

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30. November 2008, 05:46 Uhr

Potsdam - Fachärzte warnen vor Lücken in der Behandlung von Diabetikern in Brandenburg. Die Verträge zur Versorgung in speziellen Schwerpunktpraxen seien von den Krankenkassen zum Jahresende gekündigt worden, sagte Marlies Brun, Vorsitzende der Brandenburger Diabetesgesellschaft, am Samstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Damit sei der Bestand vieler der 48 Praxen bedroht, in denen vor allem Patienten mit schwerer Diabetes behandelt werden. „Die relativ gute Versorgung von 60 000 bis 70 000 Betroffenen ist ernsthaft gefährdet.“ Die Ärzte fordern eine Vertragsverlängerung bis zu einer Neuregelung.

Nach Bruns Worten ist die Behandlung der Betroffenen in Brandenburg seit 1993 vertraglich geregelt. „Das ist bundesweit so gut wie einmalig.“ Die jeweils für ein Jahr geltenden Vereinbarungen, in denen die finanzielle Ausstattung der Schwerpunktpraxen festgelegt ist, seien zuletzt 2003 gekündigt und anschließend angepasst worden. Anders als vor fünf Jahren sehe es heute aber so aus, dass kein Anschlussvertrag zustande komme.

Die Internistin Brun verwies darauf, dass durch die Schwerpunktpraxen viele Patienten nicht stationär behandelt werden müssen. „Das sind die Schaltstellen zwischen Hausarzt und Krankenhaus“, sagte sie. In diesen Praxen würden etwa schwangere Diabetikerinnen, Patienten mit Typ-I-Diabetes oder an schwerer Diabetes vom Typ II leidende Erkrankte betreut. Diese Patienten müssten bis zu 20-mal im Quartal ärztlich behandelt werden. Auch die Erstbehandlung zur Beratung von Kranken nach der Diagnose finde häufig in diesen Praxen statt, die zudem spezielle Schulungen für Betroffene anbieten. Zudem organisieren sie Weiterbildungsseminare für Hausärzte.

„Hohe Kosten entstehen bei Diabetespatienten durch Folgeerkrankungen“, sagte Bruns. Dazu zählten Herzinfarkte, Schlaganfälle, Nieren- und Augenschäden oder der sogenannte diabetische Fuß. Durch gute medizinische Betreuung lasse sich die Gefahr dieser Komplikationen senken. Deutschlandweit leiden Schätzungen zufolge sechs bis acht Millionen Menschen an Diabetes. Die Dunkelziffer sei nach vorliegenden Erkenntnissen sehr hoch und die Zahl der Neuerkrankungen steige, sagte Brun. In Brandenburg sind rund 117 500 Diabetiker in speziellen Programmen der Krankenkassen erfasst.

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