"Ändern wird sich kaum etwas"

von
25. Mai 2009, 07:00 Uhr

Mit Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), sprach Rasmus Buchsteiner.

Entlastungen bei der Agrardieselsteuer, vorgezogene EU-Direktzahlungen, günstige Kredite - die große Koalition schnürt ein Hilfspaket für die Milchbauern. Ein guter Tag für die Landwirte?
Ändern wird sich kaum etwas. Die notwendige Entlastung ist damit nicht garantiert. Der Agrardiesel ist sicherlich ein Symbolthema. An dieser Stellschraube zu drehen, ist nicht mehr als ein Ablenkungsmanöver. Was den Milchbauern hilft, sind nicht Liquiditätshilfen oder vorgezogene Zahlungen aus Brüssel, sondern schlicht und einfach höhere Preise. Die gibt es nur, wenn endlich die Überproduktion bei der Milch gestoppt wird. Daran muss gearbeitet werden. Dafür kämpfen wir, gemeinsam mit dem Bund Deutscher Milchviehhalter. Der aktuelle Preisverfall nimmt den Betrieben die Luft.

Fühlen Sie sich von der Politik nicht ernst genommen?
Beim Milchgipfel vor einem Jahr lagen die richtigen Forderungen bereits auf dem Tisch: Alle staatlichen Möglichkeiten zur Begrenzung der Milchmenge auf dem Markt müssen genutzt werden. Von den Beschlüssen des Milchgipfels haben sich die Bundesländer schnell wieder verabschiedet, nach einer heftigen Kampagne der Milchindustrie und des Deutschen Bauernverbandes. Unsere Forderung ist: Die Bauern müssen ihre Marktmacht nutzen. Wir brauchen eine zentrale Mengensteuerung durch die Milchbauern. Nur dann kann auf Augenhöhe mit Molkereien und Handel über Preise verhandelt werden.

Welche kurzfristigen Maßnahmen erwarten Sie?
Die verhängnisvolle Steigerung der Milchproduktion darf nicht fortgeführt werden. Es wäre jetzt notwendig, mit einer radikalen Rückführung der Milchmenge den Druck vom Markt zu nehmen. Wir sollten konkret über einen neuen Lieferboykott nachdenken. Parallel dazu erwarten wir von der Bundeslandwirtschaftsministerin, dass sie in Brüssel für die Aussetzung der Quotenerhöhung eintritt. Der Vorschlag der bayerischen Staatsregierung, die Milchquote um fünf Prozent zu senken, hat unsere volle Unterstützung.

Aber für eine Senkung der Milchquote gibt es in Europa keine Mehrheit...
Deshalb muss weiter um Unterstützung geworben werden. Frankreich bewegt sich. Der dortige Landwirtschaftsminister hat sich ebenfalls für eine Senkung ausgesprochen. Diesen Weg sollten wir gehen. Die Exportsubventionen auszubauen, wie es der Deutsche Bauernverband will, wäre ein Rückfall in unselige Zeiten europäischer Agrarpolitik. Die Überproduktion aus Europa zu Dumpingpreisen in die Dritte Welt zu verkaufen, kann nicht richtig sein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen