Türkei: Vertrauen in Torhüter-Denkmal Rüstü : Abwehr funkt SOS, doch Servet will keine Pause

Heavy Metal könnte passen. Irgend etwas Hartes, Lautes. Denn Servet Cetin (27) wirkt rein äußerlich wie einer, mit dem man sich auf dem Platz besser nicht anlegt. 1,91 Meter hoch, kantig, längere Haare, finsterer Blick, Stirnband. Einer, der hinlangt und keinem Zweikampf aus dem Wege geht. Kein zartes Seelchen. Die Vorliebe für türkische Volksmusik, die der Abwehrchef der "Milli Takim" hegt, traut man ihm nicht unbedingt zu.

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19. Juni 2008, 11:58 Uhr

"Als er angeschlagen war und eine Pause brauchen konnte, habe ich ihn mal beiseite genommen", erzählt Karl-Heinz Feldkamp, der Servet bis März dieses Jahres als Trainer bei Galatasaray erlebte. "Ich habe gesagt: Schon dich, mach mal Pause. Geh nach Hause und höre deine Volksmusik", berichtet der erfahrene Coach. Das kam aber nicht gut an bei seinem Abwehr-Haudegen. "Der will keine Pause. Der schont sich nicht." Was derzeit wieder zu besichtigen ist. Beim letzten Spieltag der Süper Lig erlitt Servet eine Leistenverletzung, konnte im Trainingslager in Marienfeld kaum üben und kehrte erst zum letzten Test gegen Finnland (2:0) zurück. Alle drei Gruppenspiele stand er komplett durch; nun aber bangen die Türken erneut wegen einer Bänderdehnung im Knie um seinen Einsatz gegen Kroatien.Schier unverwüstlich, dieser Mann, was man von seinen Partnern nicht sagen kann. "Unsere Abwehr funkt SOS", schreibt die Sportzeitung Fanatik. Es begann Gökhan Zan gegen Portugal. Weil der mit Knieverletzung raus musste, kam Emre Asik. Der spielte beim 2:1 gegen die Schweiz schwach und wurde gegen Tschechien durch Emre Güngör ersetzt. Der verletzte sich; das Meisterduo von Galatasaray war wieder gesprengt. Emre Güngör fällt wegen einer Wadenverletzung für den Rest des Turniers aus, also muss Fatih Terim erneut umbauen.Mindestens ebenso sehr wie diese ständigen Umbesetzungen trifft "Türkiye" die Gelbsperre des gebürtigen Brasilianers Mehmet Aurelio, der als Aufräumer vor der Abwehr ausfällt. Und statt Keeper Volkan, der nach seinem Platzverweis gegen Tschechien für zwei Spiele gesperrt wurde, wird Torhüter-Denkmal Rüstü Recber (116 Einsätze) am Ende seiner Länderspielkarriere noch einmal enorm wichtig. Seinen Rücktritt nach Ende der EM hat der 35-Jährige schon vor dem Turnier verkündet. "Jetzt", prophezeit Terim, "wird er uns mit seiner Routine helfen."Einige Umbesetzungen im Team also, doch nach den Siegen in der Nachspielzeit gegen die Schweiz und Tschechien sind die Türken mit enorm viel Selbstvertrauen nach Krems in Niederösterreich gereist, 60 Kilometer von Wien entfernt."Spielen wir so wie in der zweiten Halbzeit gegen Tschechien, dann können wir jeden Gegner schlagen", verkündet Torjäger Nihat. Der Spanien-Legionär bleibt der Mann für die entscheidenden Tore. In der Qualifikation brachte er mit Treffern gegen Norwegen und Bosnien die Türken auf Kurs, nun drehte er mit seinen beiden späten Toren die Partie gegen Tschechien.
Über die Türkei berichtet Oliver Bitter

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