Sucht : Ab wann ist man alkoholabhängig?

Dr. med. Ulrike Prösch Klinik Schweriner See 
„Alkohol ist sehr toxisch und bewirkt körperliche und seelische Folgeerkrankungen.“
Dr. med. Ulrike Prösch Klinik Schweriner See „Alkohol ist sehr toxisch und bewirkt körperliche und seelische Folgeerkrankungen.“

Mehrere Faktoren bedingen die Sucht, erklärt Dr. med. Ulrike Prösch

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05. März 2015, 11:50 Uhr

Nach wie vor ist Alkohol die Droge Nummer eins. Laut Berechnungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) sind derzeit knapp 1,8 Millionen Menschen in Deutschland alkoholabhängig. Doch ab wann spricht man von einer Abhängigkeit und wie kommt es dazu? Dr. med. Ulrike Prösch von der AHG Klinik Schweriner See gibt Auskunft zum Thema.

Was bedeutet Alkoholismus?
Ulrike Prösch: Alkoholismus meint die seelische und körperliche Abhängigkeit von Alkohol.

Stimmt es, dass jeder, der regelmäßig trinkt, alkoholabhängig ist?
Nein. Nicht jeder, der regelmäßig trinkt, muss auch gleich abhängig sein. Es gibt sechs Merkmale, sogenannte Abhängigkeitskriterien, die auf eine Alkoholsucht hinweisen. Dazu gehört der starke, unbezwingbare Wunsch, Alkohol zu sich zu nehmen oder ein häufiges, meist unkontrolliertes Trinken. Entzugserscheinungen wie Händezittern, Schweißausbrüche und morgendliche Unruhe sowie eine Toleranzentwicklung (immer mehr muss getrunken werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen) sind weitere Anzeichen. Außerdem die fortschreitende Vernachlässigung von Interessen zugunsten des Alkoholtrinkens. Wenn mindestens drei der Kriterien zutreffen, spricht man von einer Abhängigkeit.

Was ist das Gefährliche an Alkoholismus?
Alkohol ist sehr toxisch und bewirkt sowohl körperliche als auch seelische Folgeerkrankungen. Dazu gehören z.B. Leberschädigungen wie eine Fettleber oder Leberzirrhose oder auch Schädigungen der Bauchspeicheldrüse.

Manche Abhängige leiden unter tiefergehenden psychischen Erkrankungen zum Teil mit gravierenden Orientierungs- und Merkschwierigkeiten. Recht häufig kommt es zu Nervenschädigungen. Teilweise sind diese Krankheiten unter Abstinenz rückläufig, manche bleiben aber dauerhaft.

Welche Faktoren führen zu Alkoholismus?
Es gibt keine „Alkoholikerpersönlichkeit“. Manchmal existiert eine familiäre Vorbelastung, d.h. wenn Angehörige viel trinken, kann das prägen. Auch eine positive Erfahrung mit Alkohol in der Peer-Group (Bezugsgruppe, bestehend aus Menschen ähnlichen Alters) kann zum Alkoholismus führen. Menschen ohne großes Selbstwertgefühl scheinen zudem anfälliger zu sein. Meistens sind es allerdings mehrere Faktoren, die in eine Sucht führen.

Wo finden Menschen mit Alkoholabhängigkeit Hilfe?
Unterstützung erhalten Betroffene und deren Angehörige in Suchtberatungsstellen.

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