Ab jetzt werden die Tage rückwärts gezählt

Kleinere Bauteile können im Container repariert werden PAO KDZ
Kleinere Bauteile können im Container repariert werden PAO KDZ

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06. November 2012, 06:52 Uhr

Kunduz | Etwa 400 Bundeswehrsoldaten des Panzergrenadierbataillons 401 in Hagenow sind derzeit in Afghanistan. Für unsere Zeitung berichten sie von ihrem Einsatz.

Etwas mehr als die Hälfte ist geschafft. Das sogenannte Bergfest in und um die Betreuungseinrichtung "Lummerland" ist mit ein paar Wettkämpfen, in geselliger Runde und mit einer Vorführung der Bremer Musical Company fröhlich vorüber gegangen. Die Stimmung ist gut, denn die zähe mittlere Phase des Einsatzes ist so gut wie geschafft und ab jetzt werden die Tage rückwärts gezählt!

So langsam beginnen auch schon die Planungen der Übergabe an unsere Nachfolger und damit auch unsere "Out" Planungen. Die Rückflugtickets in der Tasche sorgen natürlich für ein zufriedenes Lächeln. Gleichzeitig kündigt sich der Herbst mit kühleren Temperaturen an, tagsüber herrschen "nur" noch ca. 26° C.

Damit die herausfordernden Aufgaben perfekt gemeistert werden können, bedarf es vieler Soldaten im Hintergrund, die beispielsweise für die besondere Pflege und Wartung der Fahrzeuge unter den hier herrschenden extremen klimatischen Bedingungen im Sommer sorgten. Diese Instandsetzer werden auch liebevoll "Instler" bzw. "Schrauber" genannt! In Anlehnung an den großen deutschen Pannendienst, wird die Instandsetzungseinrichtung scherzhaft auch als "ADAC Kunduz" bezeichnet. Die Instandsetzer bieten auch hier umfassenden 24 Stunden Service an sieben Tagen in der Woche. Zusätzlich fahren sie oft direkt mit den Einheiten außerhalb des Lagers, um schnellstmöglich unterstützen zu können.

Außerdem stellt der Technische Zug dauerhaft eine Bergebereitschaft im Feldlager, die jederzeit ausrücken kann. Nur, dass zum Sichten des beschädigten Fahrzeugs kein gelber Combi oder Minivan anrollt, sondern schweres Gerät. Ein Bergepanzer 3 "Büffel" mit 1500 PS oder ein "Bison". Dies ist ein gepanzerter Lkw mit 520 PS zum Bergen von Radfahrzeugen.

Wenn möglich reparieren die Männer der Gefechtsschadeninstandsetzung die Fahrzeuge noch vor Ort. Oder versuchen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die Schadfahrzeuge gangbar zu machen. Dabei ist sehr viel Improvisationstalent gefragt. Da wird schon mal aus einem dreiachsigen Fahrzeug ein Zweiachser, indem man einfach die defekte Mittelachse mit Spanngurten und Seilen hochbindet. Für die Rückfahrt ins Feldlager reicht das dann oft.

Für den Fall, dass im Feld nichts mehr getan werden kann und das Fahrzeug abgeschleppt werden muss, gibt es die Jungs mit dem schweren Gerät. Panzer abschleppen, Geländefahrzeuge aus Gräben ziehen und noch viel mehr, ist für "Büffel", "Bison" und ihre Besatzungen kein Problem. Nach einer Bergung ist natürlich noch lange nicht Schluss für die Männer der Instandsetzung. Denn einsatzwichtiges Gerät wird schnellstmöglich wieder für den täglichen Dienst benötigt. In solchen Fällen machen die großen Scheinwerfer im Arbeitsbereich der Instandsetzung die Nacht zum Tag, damit das Fahrzeug am nächsten Morgen wieder rollt. Wobei man sich den "ADAC Kunduz" nicht wie eine Werkstatthalle vorstellen muss, sondern eher wie einen Parkplatz auf dem, bis auf ein Zelt, unter freiem Himmel bei jedem Wetter "geschraubt wird". Abgesehen davon haben wir aber auch jemanden für die kleinen Dinge, den Elektromechaniker. Er ist verantwortlich für fast alle elektrischen Gerätschaften in Fahrzeugen und Einrichtungen. Zusätzlich zu seinen dienstlichen Aufträgen steht er oft Kameraden bei Problemen mit ihren privaten elektrischen Geräten zur Seite und rettet so manches Mal die Geräte vor der Entsorgung.

Organisiert ist dies alles fast wie eine normale Werkstatt mit Büros. Von hier aus werden die Aufgaben von den Schirr-meistern und ihren Soldaten gesteuert. Die Schirrmeister sind die "Instandsetzungsverantwortlichen". Im zivilen Betrieb wären sie die Werkstattleitung, Meister und manchmal sogar der Prüfer in einer Person. Ihre Aufgaben sind die Schadannahme, die Überwachung der Wartungsintervalle, Auftragssteuerung, Ersatzteilbeschaffung, Datenpflege bis hin zur technischen Überprüfung.

Da wir für unseren Auftrag weite Strecken zurücklegen und unsere Fahrzeuge fast pausenlos im Einsatz sind, ist wirklich jeder von uns froh, diese Unterstützung zu haben. Denn in welcher Werkstatt bekommen sie ohne Termin den defekten Motor plus Getriebe ihres Autos innerhalb von einer Stunde gewechselt?


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