26 Tonnen schwere Grabplatten restauriert

Kustos Martin Heider und Pastor Albrecht Jax vor dem Stein, der das Grab von Mathias und Clawes von Axekow und ihren Frauen bedeckte. Die Ritter des 1515 ausgestorbenen Adelsgeschlechtes waren als Freunde und Schützer des Klosters bekannt. Foto: Georg Scharnweber
Kustos Martin Heider und Pastor Albrecht Jax vor dem Stein, der das Grab von Mathias und Clawes von Axekow und ihren Frauen bedeckte. Die Ritter des 1515 ausgestorbenen Adelsgeschlechtes waren als Freunde und Schützer des Klosters bekannt. Foto: Georg Scharnweber

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31. Januar 2008, 05:53 Uhr

Rostock - Die einen zeigen nur einen Abtsstab, andere sind reichlich geschmückt. Die Grabplatten im Münster Bad Doberan erzählen viel. Über die Würdenträger, denen sie gewidmet sind, über den Kunstgeschmack ihrer Entstehungszeit. Doch die historischen Platten drohten zu zerfallen. Jetzt sind die letzten vier der 26 tonnenschweren Steine restauriert worden.

„Das Münster ist im feuchten Grund gebaut“ sagt Kustos Martin Heider. Mit dem Wasser wandert auch Salz aus dem Boden ins Mauerwerk. Weil die Grabplatten bisher fest in die Wände eingebaut waren, zog die Feuchtigkeit direkt in den gotländischen Kalkstein. Die Platten wurden während der Jahrzehnte porös, vom Salt zerfressen, setzten Moos und Schimmel an.

Ein Problem, das Gotthilf Ludwig Möckel nicht bedacht hatte. Vor mehr als 100 Jahren ließ der Architekt die Platten vom Boden des Kreuzganges entfernen. Um ihre empfindlichen Oberfläche zu schützen, fügte Möckel sie in die unteren Wände des Klosters ein.

„Mit Bohrhammer und teilweise in Handarbeit mussten die Grabplatten jetzt aus dem Mauerwerk herausgelöst werden“, sagt Heide r. Eine mühsame Aufgabe, weil der Kalkstein mit Mörtel direkt auf die Wände geklebt war. Mit Kompressen reduzierte der Berliner Restaurator Boris Frohberg dann den Salzgehalt der bis zu drei Meter hohen und zwei Meter breiten Steine.

Kustos Martin Heider freut sichBereits 1997 konnten zwei der Platten restauriert werden, seit 2002 nach und nach alle weiteren. Dass jetzt alle 26 vor dem Zerfall gerettet werden konnten, bezeichnet Heider als einen wichtigen Schritt. Klar, dass er sich über die Restaurierung sehr freut.

Die Sammlung mit Stücken aus dem 14. bis 16. Jahrhundert gilt als international bedeutend. „Zwei Grabplatten sind undatiert und könnten sogar aus dem 13. Jahrhundert stammen“, sagt Heider. Rund 350 000 Euro sind in den Erhalt geflossen, unterstützt wurde die Kirchengemeinde dabei durch Bund, Land, Münsterbauverein und Spender aus ganz Deutschland.

Damit die Grabplatten nicht in wenigen Jahrzehnten wieder entsalzt werden müssen, hat der Restaurator sich luftige Lösungen einfallen lassen. Einige Steine sind mit Stahlklammern vor der Wand befestigt, andere stehen in extra angefertigten Rahmen frei im Raum. Für die vier zuletzt restaurierten Platten wurden alte Nischen in der Wand so vergrößert, dass die Steine jetzt ständig von Luft umspült werden.


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