24-jährige Kopilotin steuerte Airbus bei missglückter Landung

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04. März 2008, 07:20 Uhr

Hamburg - Bei der Beinahe-Katastrophe auf dem Hamburger Flughafen am vergangenen Sonnabend hat bei dem missglückten ersten Landeversuch die 24-jährige Kopilotin am Steuer gesessen. Das bestätigte die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) am Dienstag . „Ja, das ist richtig“, sagte Unfalluntersucher Lothar Müller. Das sei aber nicht ungewöhnlich. „Allerdings gibt es Situationen, wo der Pilot besser selbst die Landung macht.“ Es müsse nun geklärt werden, wie erfahren die Kopilotin war und ob eine solche Situation vorgelegen hat.
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Der Lufthansa-Airbus „Suhl“ war aus München kommend kurz vor dem Aufsetzen von einer starken Windböe erfasst worden und hatte mit einem Flügel den Boden berührt. Danach startete die Besatzung durch und konnte in einem zweiten Versuch auf einer anderen Piste des Flughafens sicher landen. Dabei steuerte nach Angaben der BFU der 39- jährige Pilot die Maschine. Er war am Montag von Experten für seine „fliegerische Meisterleistung“ gelobt worden.

Die Auswertung der beiden Flugschreiber durch die BFU ergab aber, dass die Kopilotion zunächst bis zum Aufsetzen des Fliegers bei sehr starkem Seitenwind das Steuer geführt hat. „Nachdem der linke Flügel den Boden berührt hat, hat der Pilot übernommen“, sagte Müller. Ob es sich um ein fahrlässiges Vorgehen handelte, wollte der Experte nicht bewerten. „Das ist erst möglich, wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind.“

Nach Einschätzung der Vereinigung Cockpit sind für den Beinahe- Unfall weder die Piloten, noch die Flugsicherung oder der Flughafen verantwortlich zu machen. „Ich sehe nach derzeitigem Kenntnisstand keinen, der eine Schuld hat“, sagte deren Sprecher Markus Kirschneck der dpa in Frankfurt. Damit wies er Spekulationen zurück, die Piloten hätten beim ersten Versuch die falsche Landebahn genutzt.

Nach Einschätzung Kirschnecks waren alle Bedingungen für den Landeanflug in Ordnung. Die angeflogene Landebahn 23 verfüge zudem über ein Instrumentenanflugsystem, das gerade bei starken Winden für eine Landung von Vorteil sei. Daher gebe es keine Anzeichen, warum die Bahn nicht hätte genutzt werden sollen. Allerdings würde er eine Diskussion unter den Fachleuten befürworten, wie grundsätzlich mit starken Winden umgegangen werde. „Das war knapp, aber es ist gut gegangen“, sagte Kirschneck.

Nicht in der Verantwortung sieht sich die Deutsche Flugsicherung (DFS). „Der Pilot hatte die Wahl zwischen beiden Bahnen“, bekräftigte DFS-Sprecher Axel Raab am Dienstag in Langen. Zwar sei die von dem Piloten genutzte Landebahn 23 zum Zeitpunkt des Vorfalls die Standardlandebahn gewesen. Mündlich sei dem Piloten aber auch die Nutzung der Landebahn 33 angeboten worden.

Nach Angaben der DFS waren zum Zeitpunkt des Landeversuchs die Seitenwindverhältnisse auf beiden Bahnen gleich. Darum habe es auch keinen Anlass gegeben, die Landebahn 33 als Standardlandebahn auszuweisen. Den Angaben zufolge herrschten Seitenwinde von etwa 45 Kilometern pro Stunde. Der Airbus A320 sei für Landungen bei Seitenwinden bis zu 55 Stundenkilometern zugelassen.

Auch die Lufthansa bekräftigte am Dienstag, die Cockpit-Besatzung habe sich richtig verhalten. Die Landebahn werde in der zivilen Luftfahrt von der Flugsicherung zugewiesen, die Piloten hätten aber nach Abwägung aller Faktoren die letzte Entscheidung, ob sie die Landebahn auch nutzen, sagte ein Sprecher in Frankfurt. Zum Zeitpunkt des Vorfalls sei der Wind auf beiden Bahnen aber „vergleichbar“ gewesen. Auch er verwies darauf, dass nur die zunächst genutzte Piste ein Instrumentenlandesystem habe.

Der Hamburger Flughafen wies Kritik am Informationsverhalten nach dem spektakulären Durchstarten zurück. Die zuständigen Behörden seien noch am Samstag unterrichtet worden, sagte eine Flughafensprecherin am Dienstag. „Wir haben die Wirtschaftsbehörde informiert.“ Dort sind in der Hansestadt die für den Luftverkehr zuständigen Referate angesiedelt. Die Innenbehörde hatte sich am Montag verwundert über fehlende Informationen zu dem Vorfall gezeigt.

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