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„Stier und Adler“ : 200 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen den USA und Mecklenburg

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eine junge Nation aus einem bunten Gemisch von Nationalitäten machte sich um 1800 auf den Weg zur Weltmacht. Nach der Unabhängigkeit suchten die Vereinigten Staaten von Nordamerika vor allem nach Handelspartnern in der „alten Welt“. Im deutschsprachigen Raum knüpften sie zunächst wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen nach Hamburg, Bremen und Preußen. Doch nach erfolgreichem Auftakt stand ihnen Napoleon im Weg. Der Kaiser der Franzosen blockierte den europäischen Kontinent mit einer „Kontinentalsperre“, die eigentlich gegen England gerichtet war. Aber auch US-amerikanische Schiffe unterlagen dem Embargo.

Eine Verbindung zwischen Mecklenburg und den damaligen 13 Neu-England-Staaten gab es seit dem 18. Jahrhundert: 1762 gründeten Auswanderer das „Mecklenburg County“. Dort ist man bis heute stolz darauf, die vermeintlich älteste Unabhängigkeitserklärung der USA hervorgebracht zu haben – die berühmte „Mecklenburg Declaration of Independence“ vom 20. Mai 1775. Das County gehört heute zu North Carolina mit dem Verwaltungssitz in Charlotte, benannt nach Charlotte von Mecklenburg-Strelitz.

Erst nach der Niederlage Napoleons und dem Wiener Kongress 1815 war der Weg wieder frei für ungehinderten Handel. Am 16. Januar 1816 ernannte US-Präsident James Madison den Kaufmann und US-Generalkonsul für Dänemark, John M. Forbes, zum ersten US-Konsul für Mecklenburg-Schwerin. Das kennzeichnet den Beginn diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Staaten. Gleichzeitig wurde Forbes auch Konsul für die preußischen Häfen Stralsund und Stettin.

Der Blick des Kaufmanns richtete sich auf die Hafenstädte an der südlichen Ostseeküste. Kiel, Lübeck, Rostock, Stralsund, Stettin und besonders St. Petersburg sollten mit Luxusgütern wie Tee, Zucker, Tabak oder Kaffee aus Übersee versorgt werden. 1839 wurde ein US-Vizekonsulat in Rostock eingerichtet. Im Gegenzug eröffnete das Großherzogtum zwischen 1823 und 1865 zwölf Konsulate in den USA. Mecklenburg-Strelitz zog 1853 nach.

Im 19. Jahrhundert waren die Beziehungen neben dem Handel vor allem durch Auswanderung geprägt. Zwischen 1860 und 1914 verließen etwa 200 000 Menschen Mecklenburg in Richtung USA.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die diplomatischen Beziehungen während der beiden Weltkriege unterbrochen, ebenso während des Kalten Krieges. Dennoch gab es in der DDR-Zeit direkte Verbindungen zwischen Mecklenburg und den Vereinigten Staaten, vor allem im wissenschaftlichen Bereich. Zu nennen ist hier besonders der Studenten- und Wissenschaftleraustausch zwischen der Universität in Rostock und der Brown University in Providence, Rhode Island.

Nach der Wiedervereinigung gehörte Mecklenburg-Vorpommern zunächst zum Konsulardistrikt der US-Botschaft Berlin, seit 1999 fällt es in die Zuständigkeit des US-Generalkonsulats Hamburg. Heute sind es vor allem die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen, die im Vordergrund stehen, aber auch der kulturelle Austausch und der politische Dialog.

Anlässlich der Aufnahme diplomatischer Beziehungen vor 200 Jahren veranstalten das US-Generalkonsulat Hamburg, die Stiftung Mecklenburg und die Historische Kommission für Mecklenburg e.V. eine Tagung. Unter dem Titel „Stier und Adler“ werden heute in Schwerin Forschungen zum mecklenburgisch-amerikanischen Verhältnis sondiert.
 

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