Hintergründe : 1300 Drogentote – und die Zahl steigt

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08. Mai 2017, 21:00 Uhr

Seit vier Jahren geht die Kurve stetig nach oben: Mehr als 1300 Menschen starben 2016 durch Drogen, deutlich mehr als im Vorjahr. Das geht aus dem Jahresbericht 2016 zur Rauschgiftkriminalität hervor, den die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), und BKA-Chef Holger Münch gestern vorgestellt haben. Hintergründe von Tobias Schmidt.


Wie haben sich die Zahlen entwickelt?

2016 wurden 1333 rauschgiftbedingte Todesfälle registriert, neun Prozent mehr als im Vorjahr. Bis 2012 war die Opferzahl mehrere Jahre lang rückläufig. 2013 waren 1002 Menschen an Drogen gestorben. 84 Prozent der Opfer waren männlich – ein konstanter Anteil. Der Altersschnitt lag bei 38 Jahren. Vor 15 Jahren lag er noch bei 32 Jahren.


Welche Drogen sind am tödlichsten?
In den meisten Fällen führte der Heroin-Konsum zum Tod. Besonders drastisch nahmen Todesfälle wegen des Konsums sogenannter Neuer Psychoaktiver Stoffe (NPS) zu, die als „Legal Heighs“ und Designerdrogen bezeichnet werden: Die Zahl stieg von 39 auf 98 Tote. NPS werden als teils harmlose Badesalze aber auch als Ecstasy angeboten und sind über das Internet zu beziehen.
 

Wie lässt sich der Anstieg erklären?
Mortler nennt die immer größere Bandbreite verfügbarer Substanzen und den zunehmenden Mischkonsum als Hauptgründe. Über den Internethandel ist der Drogenverkauf nicht zu kontrollieren. BKA-Chef Münch verweist auf Verkaufsplattformen im Dark-net, auf denen Drogen aller Art angeboten und oft per Post zum Besteller geschickt werden. Die Behörden registrierten 2000 Drogendelikte via Internet – plus fünf Prozent.


Werden mehr Täter geschnappt?
Die Zahl der registrierten Rauschgiftdelikte stieg um sieben Prozent auf 302 592 Fälle, seit 2011 eine stetige Zunahme. Die Zahl der sichergestellten Ecstasy-Pillen stieg um mehr als das Doppelte auf 2,2 Millionen. Ein Grund ist der Schmuggel in die Türkei, für den Deutschland ein wichtiges Transitland ist, heißt es.
 

Wie reagieren Politik und Polizei?
Ende 2016 war das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz in Kraft getreten, das zahlreiche Stoffgruppen verbietet. Ob es wirkt, ist noch unklar. Münch sagte, nur eine Kombination aus Prävention, Intervention und Repression könne helfen.

Das BKA versucht derzeit, „Cybercops“ zu rekrutieren. Mortler setzt auf Prävention und Frühintervention: Wer erstmalig mit Rauschgift aufgegriffen werde, müsse damit konfrontiert werden und Beratung erhalten.

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